„Die Poesie von Licht und Schatten“ – DAS GEDICHT 18 ist erschienen.

Weßling, den 11. Oktober 2010

Liebe Besucherinnen und Besucher,

jeder Schreibende kennt sie nur zu gut, die Angst vor dem Sprung ins kalte Wasser: Wie findet man den richtigen Einstieg in ein Thema, den ersten Vers eines Gedichts, die erste Zeile eines Briefs. Aber Angst war bekanntlich schon das Thema der letztjährigen Ausgabe von DAS GEDICHT (Band 17), eine Nummer, die viele Diskussionen auslöste – nicht zuletzt, weil mit meinem Mitherausgeber Friedrich Ani („German Angst“) ein weltweit bekannter Kriminalschriftsteller, Dichter und Furcht-Experte maßgeblich am Entstehungsprozess beteiligt war.

Ulrich Johannes Beil und Anton G. Leitner

Ulrich J. Beil ist eigens aus Zürich angereist, um das erste Exemplar in Empfang zu nehmen.

Ein Jahr später liegt nun die druckfrische 18. Folge von DAS GEDICHT vor, und sie ist, so meine ich, eine wirklich schöne Ausgabe geworden, auch was ihr Erscheinungsbild betrifft. Sie widmet sich der „Poesie von Licht und Schatten“ – und auch dieses Mal habe ich einen langjährigen Freund und literarischen Weggefährten als Co-Editor gewinnen können: den international renommierten Literaturwissenschaftler und Lyriker Ulrich Johannes Beil. Gerade durch seine Gastdozenturen in Japan oder in der brasilianischen Mega-City São Paulo hat er, wie kaum ein anderer Kollege hierzulande, die sozialen „Licht- und Schattenseiten“, insbesondere in Lateinamerika, kennengelernt. Der Kosmopolit Beil beschäftigt sich heute als „Senior Researcher“ an der Universität Zürich mit dem Nationalen Schweizer Forschungsprojekt „Medienwissen“ bzw. dem „Medienwandel“ und dessen historischen Perspektiven. Ulrich und ich kennen uns seit unserer Schulzeit in München am humanistischen Gymnasium. Der Zeitschrift DAS GEDICHT ist er seit fast zwei Jahrzehnten eng verbunden. In den Anfangsjahren fungierte er als deren Chefredakteur und stand mir mit Rat und Tat zur Seite. Gemeinsam initiierten wir damals poetologische Debatten, etwa zum Kurz- und Langgedicht oder zur europäischen Lyrik; Diskurse, die weit über die Grenzen des deutschen Sprachraums hinausreichten und beispielsweise in italienischen, türkischen und argentinischen Feuilletons Beachtung fanden. In die vorliegende GEDICHT-Nummer ist naturgemäß viel von Ulrich J. Beils Weit- und Weltsicht eingeflossen, sowohl in den Lyrik- wie in den Essayteil. Und auch im Kritikteil öffnen sich für die Poesie alle Länder- und Sprachgrenzen.

Mit dem Hamburger Lyriker Matthias Politycki haben wir zum Erscheinen der 18. Folge von DAS GEDICHT einen eigenen Kurzfilm / Trailer mit dem Titel „Wenn du den Schmerz gibst“ gedreht (sein gleichnamiges Gedicht ist im neuen GEDICHT erstveröffentlicht). Auf unserem YouTube-Kanal dasgedichtclip sind bereits fast 80 Lyriklesungen in Bild und Ton zu sehen, übrigens auch weitere Filme zur „Poesie von Licht und Schatten“, u. a. von Nora Gomringer. tv-movie empfahl „dasgedichtclip“ unlängst als „Free-tv-Toplink“. Mit jedem neuen Clip, der online geht, fasziniert es mich und die beteiligten Dichterkollegen noch mehr, Poesie auch in einer dritten, multimedialen Dimension, erfahrbar zu machen und vom Medium Buch in den Film hinüberzugehen und vom Film ins Buch zurückzukehren. Ich glaube, es lohnt sich, dasgedichtclip regelmäßig einen Besuch abzustatten oder zu abonnieren.

Und nicht nur, um zwischen Film und gedruckter Ausgabe hin- und herzuwechseln zu können, empfiehlt es sich vermutlich auch, die neue GEDICHT-Ausgabe 18 zu besorgen. Bis zur Geburt dieser Nummer vergingen neun Monate. Soviel Arbeitskraft haben wir selten am Stück in eine neues GEDICHT investiert. Aber schließlich ist es ja auch eine ganz besondere Folge, denn DAS GEDICHT erscheint im 18. Jahrgang, ist also volljährig!

Cover DAS GEDICHT 18

„Die Poesie von Licht und Schatten“ - DAS GEDICHT 18

Zum 18. Geburtstag von DAS GEDICHT unternehmen 68 Autoren aus Deutschland, Italien, Österreich, Polen und der Schweiz Expeditionen in ferne Länder und vergangene Zeiten. Die Lyriker, darunter Durs Grünbein, Ulla Hahn, Helmut Krausser, Friederike Mayröcker, Matthias Politycki, Said, Kathrin Schmidt sowie Zafer Şenocak rauen veraltete Muster im Schwarz-Weiß-Denken auf und wagen eine Bestandsaufnahme des Lichts: „Da waren sie wieder, die Sternen-Trecks / in die ewig ferne rückende, nahe Zukunft – / Silberstreifen vor einem nachtschwarzen Horizont.“

Um Leben und Tod geht es in der neuen GEDICHT-Ausgabe ebenso wie um Schein und Sein. Manche Dichter begeben sich auch in die Kampfzone der Geschlechter. „Ist das Luft oder Wand?“ fragt Monika Rinck. Zumindest die Endlichkeit der Liebe ist gewiss und macht jeden Moment von Nähe kostbar: Es bleibt „ein grosses herz“, das beide umschließt (Albert Ostermaier).

DAS GEDICHT 18 kurz vor der Auslieferung

Die Auslieferung läuft auf Hochtouren.

„Gedichte reflektieren die Widersprüche der Gegenwart“, meint Ulrich Johannes Beil und hält Lyrik für ein probates Medium, um alltägliche oder globale Licht-Schatten-Verhältnisse unter die Lupe zu nehmen. Sissi Pöschl engagiert sich für soziale Gerechtigkeit in Ecuador. DAS GEDICHT spricht mit ihr darüber, wie man Straßenkindern durch Bildung helfen kann. „Hinter der Sonne“ entdeckt Simone Malaguti visuelle Poesie im brasilianischen Film. „In jedem Schwarz dämmert schon ein Grau“, erkennt Joachim Sartorius bei der Würdigung des fotografischen Werks von Péter Nádas.
Nico Bleutge, Markus Bundi, Anton G. Leitner und Sabine Zaplin beleuchten 40 internationale Lyrikneuerscheinungen (Herbst 2008 bis Sommer 2010).

Mika bewacht die versandfertigen Exemplare von DAS GEDICHT 18

Der ungarische Jagdhundmix Mika bewacht die ersten versandfertigen Exemplare der neuen GEDICHT-Ausgabe.

Wir haben es bis heute weitgehend ohne Subventionen geschafft, DAS GEDICHT als unabhängiges und plurales Organ für zeitgenössische Poesie überlebensfähig zu halten. Dies verdanken wir nicht zuletzt allen unseren Leserinnen und Lesern. Diese grüße ich an dieser Stelle ganz besonders herzlich, sage ihnen ein großes Dankeschön und würde mich freuen, wenn Sie sich, liebe Besucherinnen und Besucher, auch der GEDICHT-Familie anschließen. Denn nur eine Publikation, die ein Publikum erreicht, verdient mit Fug und Recht diesen Namen.

Sie können die Ausgabe auch direkt bei mir im Verlag, sozusagen beim Erzeuger, bestellen. Wir liefern sie Ihnen deutschlandweit ohne Versandkosten. Wer Sie bei uns bezieht bekommt exklusiv meinen verlegerischen Begleitbrief mit einer Fülle von Hintergrundinformationen mitgeliefert. So, aber jetzt wieder an den Packtisch und die neue Nummer ausliefern!

Mit herzlichen Grüßen aus Weßling
und bis bald an dieser Stelle
Ihr ANTON G. LEITNER

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