„Ois is easy“ in DIE WELT und in der Süddeutschen Zeitung

 
 
Liebe Besucherinnen und Besucher,  

Erfreuliches ist mitzuteilen: Gestern hat die Tageszeitung DIE WELT meine Sammlung „Ois is easy. Gedichte aus Bayern“ vorgestellt. Der Artikel ist auch im Internet in der Online-Ausgabe der WELT nachzulesen. „Lyrische Gebrauchsanweisung. Vom Märchenkönig bis zur Schickeria – Ois is easy erklärt den Freistaat in Gedichten“ heißt er. Die lyrische Gebrauchsanweisung finden Sie hier.  

Heute stellt Hermann Unterstöger „Ois is easy“ in der Süddeutschen Zeitung (Rubrik „Lesenswert“, S. 14, Kultur Bayern) vor. Unterstöger überschreibt seine Rezension mit einem Volksfestvers von Karl Krieg aus Passau:  „Schwizzln duads, soachln duads“. Unterstöger liefert auch gleich eine Kurzcharakteristik meiner Person mit. Er beschreibt mich „als einen Mann, der nicht nur selber dichtet, sondern sich wie kein Zweiter darauf versteht, Dichtung hervorzulocken, zu sammeln. an den Mann zu bringen“. Mit dieser Beschreibung kann ich sehr gut leben, sie freut mich auch, offen gestanden.  

Wer „Ois is easy“ noch nicht gelesen hat, sollte sich die Sammlung bald besorgen, bevor sie vergriffen ist. Beim Internetbuchhändler Amazon beispielsweise sind die ersten Exemplare weggegangen wie die warmen Semmeln, sodass die ofenfrischen „Gedichte aus Bayern“ derzeit dort nicht mehr auf Lager sind. Weitere Informationen und Bezugsmöglichkeiten zu „Ois is easy“ sowie Links zu ersten Videos aus dem Band finden Sie natürlich auch auf meiner eigenen Website. Dort sind seit gestern abend auch ausführliche Informationen zur neuen Ausgabe meiner Zeitschrift DAS GEDICHT 18 online, die Ende September 2010 mit dem Untertitel „Die Poesie von Licht und Schatten“ erscheint. Ich ediere sie mit meinem Freund aus Schul- und Studienzeiten, Ulrich Johannes Beil, der mich nunmehr seit fast 30 Jahren bei meiner schriftstellerischen und editorischen Arbeit begleitet. Beil ist selbst ein angesehener Lyriker (natürlich auch in „Ois is easy“ vertreten) und ein international renommierter Literaturwissenschaftler.  

Anton G. Leitner und Ulrich Johannes Beil im Licht und Schatten

Abschließend muss ich leider wieder einmal von einer schattigen Episode aus meinem Herausgeberleben berichten. Jeder Editor, der sich für auserlesene Texte seiner Kolleginnen und Kollegen engagiert und diese ans Licht der Öffentlichkeit holt, muss zwangsläufig auch Gedichte ablehnen, die nicht in den jeweiligen Kontext seines Projekts passen oder qualitativ hinter einer bestimmten Auswahl zurückbleiben. Die Zahl der angebotenen Gedichte übersteigt diejenigen Texte, die tatsächlich zum Abdruck kommen, meist um ein Vielfaches. Bei „Ois is easy“ beispielsweise konnte ich etwa 10 Prozent der angebotenen Texte tatsächlich im Buch verwenden und ähnlich verhält es sich mit den Ausgaben unserer Zeitschrift DAS GEDICHT. Man sollte als Lyriker schon Sportsgeist zeigen, wenn man einmal selbst nicht zum Zug kommt, das gilt natürlich auch für mich. Sogar mancher erstklassige Fußballprofi muss die Ersatzbank drücken. Die meisten Spieler akzeptieren das und freuen sich trotzdem, wenn ihre Mannschaft gewinnt, egal, ob sie mit im Spiel sind oder nicht. Einige Spieler können es aber nur schwer mit ihrem Ego vereinbaren, nicht aufgestellt zu werden.   

Während sich die meisten Kolleginnen und Kollegen fair zu mir verhalten und bis heute meine lyrische Mannschaftsaufstellung akzeptieren, wollen einzelne Dichter einfach nicht hinnehmen, dass ihre Texte bei meinen Projekten nicht zum Zug kommen und verfolgen mich anhaltend mit regelrechten Haßtiraden.

Mein dreistufiges Lyrikprojekt zum Ökumenischen Kirchentag 2010 in München war eines der erfolgreichsten Kulturprojekte des ÖKT. Unsere Netzanthologie des ÖKT gehörte zu den meist besuchten Internetseiten des Kirchentags, das Buch zum Projekt „Die Hoffnung fährt schwarz“ wurde bereits wenige Tage nach dem Erscheinen als „Favorit“ der Redaktion von Bayern 2 ausgezeichnet und nicht nur in meinungsbildenden Organen wie der Süddeutschen Zeitung, sondern in vielen christlichen Schlüsselmedien geradezu euphorisch besprochen. Die Sammlung verkauft sich überdies vorzüglich. Und an unserer „Nacht der Poesie“  im alten Münchner Rathaus wollten über 1000 Besucherinnen und Besucher teilnehmen, nur ein Teil von ihnen konnte eingelassen werden, die restlichen Besucher verfolgten die Veranstaltung draußen im strömenden Regen am Lautsprecher mit. So viele Leute dürften hierzulande selten zu einer Lyrikveranstaltung gekommen sein.  

Offensichtlich sind gleich mehrere Autoren bis heute fast tödlich beleidigt, nicht beim ÖKT-Lyrikprojekt berücksichtigt worden zu sein und mobilisieren Gott und die Welt, um mich bei katholischen Bischöfen und Äbten sowie emeritierten Ministern als vermeintlich „unmoralischen Herausgeber“ in den Schmutz zu ziehen. Keiner dieser Leute hat sich bislang an mich persönlich gewandt, aber immer wieder leiten angeschriebene Stellen fairerweise an mich als Betroffenen denunziatorische Schreiben weiter, die mich ernsthaft am Verstand einiger Mitmenschen zweifeln lassen.   

Da wendet sich ein Poet, der mich kurz zuvor fast devot um die Publikation seiner Verse gebeten hatte,  bereits einige Tage nach dem Start der Netzanthologie an die ÖKT-Verantwortlichen, um die sofortige Abschaltung dieser Lyrikseite zu fordern, weil sie „der christlichen Sache nicht förderlich“ sei. Danach werden konservative Abgeodnete mobilisiert, um hintenherum gegen meine bereits erfolgte Aufnahme in den Kreis der „Münchner Turmschreiber“ zu intrigieren. Als ich einen dieser Politiker zur Rede stelle, beleidigt er mich als „Schundlyriker“. 

Anfänglich hängen sich die Briefeschreiber an meinem Gedicht „Die Wahrheit über Uncle Spam“ auf, das aus Originalzitaten von Spam-eMails zusammenmontiert ist. Wer so etwas schreibe, sei moralisch nicht als Herausgeber vertretbar. Dass dieses Gedicht nicht in der Sammlung „Die Hoffnung fährt schwarz“ enthalten ist, bemerken sie erst, als ich sie darauf hinweise. Außerdem geben sie – auf meine Anfrage hin – zu,  nicht zu wissen, was „ein Spam“ ist. Sie verwechseln „Uncle Spam“ mit „Uncle Sam“ und unterstellen mir aufgrund ihres Lesefehlers eine „amerikafeindliche Gesinnung“. Sie erkennen hingegen nicht, dass mein Gedicht das Spam-Unwesen kritisiert. Es fallen im Bezug auf meine eigenen und die von mir edierten Werke der Kollegen schriftlich und mündlich Worte wie „volksfremd“, „deformiert“, „nihilistisch“, „Schund“, „schweinisch“, „aus der Art geschlagen“, „entfremdet“, ‚“unchristlich“, „Schmarrn“, „unverständich“, „Unsinn“, „unkatholisch“. Später schwenken die selbsternannten Sittenwächter auf einen anderen Text um, nämlich auf das Gedicht „Requiem“. Es handelt sich dabei um ein Mundartgedicht des Bachmannpreisträgers Franzobel, der damit an die Tradition geistlicher Vanitasgedichte des Barocks anknüpft. Sein Text entstand für die Sammlung „Die Hoffnung fährt schwarz“. Daneben wird gerne auf  erotische Lyrik verwiesen, die in der Anthologie genausowenig enthalten ist, wie mein Gedicht „Uncle Spam“. 

Es fällt auf, dass immer wieder dieselben Personen solche Briefe schicken. Die meisten von ihnen haben deshalb so viel Zeit, weil sie  pensioniert bzw. emeritiert sind. Was mich am meisten verblüfft, ist die Tatsache, dass an dieser Schmutzkampagne durchwegs Menschen mit Hochschulabschluss und akademischen Grad teilnehmen. Vielleicht versuchen sie durch derartige Aktionen, an ihre frühere Stellung im Berufsleben anzuknüpfen oder Alters-Frustrationen zu kompensieren.  

Neuerdings haben sie einen „sensationellen Fund“ gemacht, der selbstverständlich sogleich an katholische Bischöfe weitergeleitet werden muss, zuletzt gestern. Diese „Literaturfreunde“ sind auf das „Erotik-Special“ meiner Zeitschrift DAS GEDICHT gestoßen. Die schon lange vergriffene Ausgabe hat im Jahr 2000, also bereits vor zehn Jahren (!), bundesweit für Furore gesorgt. Von Focus oder Spiegel über die Süddeutsche Zeitung bis hin zur Bild-Bundesausgabe, von 3-Sat Kulturzeit bis zu RTL  reichte damals das Lob, Bild -Deutschland druckte auf einer ganzen Seite Auszüge aus dem Erotik-Special nach, für das so „pornographieverdächtige“ Autoren wie der berühmte Schweizer Pfarrer Kurt Marti  oder Büchner-Preisträgerin Friederike Mayröcker zur Feder gegriffen hatten …  

Inzwischen habe ich einen ganzen Leitzordner mit diesen – an Rufmord grenzenden – Schreiben in meinem Archiv stehen. In solchen intellektuellen und menschlichen Armutszeugnissen schlummert meines Erachtens ein bedenklich undemokratisches Potential, das mehr über den Zustand einzelner konservativer Zirkel aussagt, als alles, was bislang von ihnen oder ihren gewählten Repräsentanten öffentlich zu vernehmen war. Was christliche Toleranz, Offenheit und Freiheit der Kunst als grundlegende Werte einer zivilisierten Gesellschaft bedeuten, scheint ihnen bis heute verborgen geblieben zu sein. Ebenso die Welthaltigkeit von Literatur. Mir tun all jene Schüler und Studenten, die dem engstirnigen Weltbild und der Hinterfotzigkeit solcher Leute ausgeliefert waren, von Herzen leid.

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