Kurz vor dem ersten Spiel der deutschen Nationalmannschaft: Wolfgang Opplers Fußballgedicht

 

Liebe Besucherinnen, lieber Besucher,

kurz bevor es für die deutsche Nationalmannschaft in Durban ernst wird, hat mir mein Turmschreiberkollege Wolfang Oppler eine lyrische Botschaft übermittelt, die ich sogleich an Sie weiterreiche.

Zusätzlich gebe Ihnen auch noch einen Link mit aufs heimische Bildschirm-Spielfeld, denn – wie könnte es auch anders sein? -, die heutige Wildbach-Toni-Folge, die Richard Westermaier mit dem Münchner Komödianten Moses Wolff abgedreht hat (gestern filmte er ja noch mich in Weßling beim Lyrik-Grillen, vgl. meinen Blogeintrag als Making-of zu „Isarsommer“), handelt, Sie ahnen es, vom Fußball. Sie ist online unter Sueddeutsche.de. Aber jetzt heißt es: den Lyrikball ins poetische Tor befördern!

Wolfgang Oppler

Kohle – Ziegel – Löwenzahn

     Schwarz, Rot, Gold,
     das Leder rollt.
     Jodelt es durch Straßenschluchten,
     plärrt es in den Nordseebuchten,
     brüllt es von den Bergesgipfeln,
     ruft es von Kastanienwipfeln,
     schreit es über Berg und Tal,
     Deutschland kämpft um den Pokal.
     Alles glänzt in Schwarz, Rot, Gold,
     es geht los, das Leder rollt.

Kohle, Ziegel, Löwenzahn!
Steckt bei jeder Eisenbahn,
bunte Fähnchen auf das Dach,
schüttet Farbe in den Bach,
kleidet Erle, Linde, Buche
fleißig ein mit buntem Tuche,
scheut nicht Plage oder Mühe,
malt die Schafe, Gänse, Kühe
alle an in Schwarz-rot-gold,
tanzt und schunkelt, springt und tollt.

Teer und Blut und gelben Eiter!
Dekoriert die Blitzableiter,
ziert mit schwarz-rot-goldnen Quasten
Straßenschilder, Starkstrommasten,
Gaslaternen, Gartenzäune,
jeden Schuppen, jede Scheune,
Ampeln, Brunnen und Plakate,
Lümmeltütenapparate,
Stege, Brücken, Tunnelwände,
Notdurfthäuschen, Currystände.

    Schwarz, Rot, Gold,
    das Leder rollt.
    Jodelt es durch Straßenschluchten,
    plärrt es in den Nordseebuchten,
    brüllt es von den Bergesgipfeln,
    ruft es von Kastanienwipfeln,
    schreit es über Berg und Tal,
    Deutschland kämpft um den Pokal.
    Alles glänzt in Schwarz, Rot, Gold,
    es geht los, das Leder rollt.

Schwarzwurz, Rotkohl und Pomm-Fritz!
Schmückt den höchsten Kirchturmspitz,
Reichstag, Römer, Speicherstadt,
Loreley und Zugspitzplatt,
Semperoper, Kudamm, Kö,
Schloss Neuschwanstein, Bodensee,
Ulmer Münster, Kölner Dom,
Fernsehturm und Hippodrom,
alles wird heut fein gemacht,
strahlt in schwarz-rot-goldner Pracht.

Schwarztee, Kirschsaft, Weizenbier!
Unser Ziel heißt Haute Couture:
Färbt euch fröhlich eure Locken,
kauft euch schwarz-rot-goldne Socken,
Mützen, Leibchen, Unterhosen,
Filzpantoffeln, Ansteckrosen,
Hosenträger, Trainingsjacken.
Malt euch Streifen auf die Backen.
Also gut, auch ins Gesicht.
Und vergesst die Oma nicht.

     Schwarz, Rot, Gold,
     das Leder rollt.
     Jodelt es durch Straßenschluchten,
     plärrt es in den Nordseebuchten,
     brüllt es von den Bergesgipfeln,
     ruft es von Kastanienwipfeln,
     schreit es über Berg und Tal,
     Deutschland kämpft um den Pokal.
     Alles glänzt in Schwarz, Rot, Gold,
     es geht los, das Leder rollt.

Schmückt mit Bändern und Girlanden,
Pfarrer, Messner, Ministranten,
Trambahnschaffner, Hausverwalter
Freudenmädchen, Lohnbuchhalter,
Kanzler, Kellner und Studenten,
Taschendiebe, Präsidenten.
Krankenschwestern, Stromableser,
Gaudiburschen, Trübsalbläser.
Fegt die schlechte Laune weg!
Eigelb, Erdbeer, Bärendreck!

© Wolfgang Oppler (*1956), München

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