Bei dem ganzen politischen Muff – Flucht in Arbeit oder Suff?

 

Liebe Besucherinnen und Besucher,

endlich finde ich die Zeit, wieder meinen Blog zu aktualisieren.

Es waren nicht die schlechten Nachrichten aus dem In- und Ausland, die mich verstummen haben lassen, auch wenn sie wirklich allen Grund zur Verzweiflung liefern könnten.

Ich will ihn gar nicht beim Namen nennen, jenen überforderten Zauberlehrling und Energiegiganten, der offensichtlich mit einem staatlichen „Freifahrtsschein“ seine (und unsere) Gier nach immer mehr Rohöl mit immer tieferen Bohrungen zu befriedigen suchte – und jetzt im sprudelnden Öl zu ersticken droht, wie der ganze Golf von Mexiko, dieser für uns alle so wichtige (Über-)Lebensraum.

Die einen Ausbeuter zerstören rücksichtslos ganze Meere und rauben damit auch der nachfolgenden Generation sämtliche Perspektiven, die anderen türmen hier bei uns über Nacht unermessliche Schuldenberge auf, rechtfertigen dies zynisch mit „mangelnden Alternativen“ oder „Systemrelevanz“ oder springen nach dem Motto „rette sich wer kann“ samt ihrem goldenen Pensionsfallschirm gleich selbst aus dem sinkenden Staatsschiff. Dass beratungsresistenten Machterhaltpolitikern oder Gewinnmaximierungsmanagern keine wirklichen Handlungs-Alternativen einfallen, mag wenig verwundern.

Ich möchte ihn gar nicht namentlich erwähnen, unseren Bundespräsidenten a. D., der mitten in der Eurokrise beleidigt das Handtuch geworfen hat und damit deutlich signalisierte, wo die Politik hierzulande angekommen ist, nämlich am absoluten Tiefpunkt ihrer Kultur, sofern man in diesem Zusammenhang überhaupt noch das Wort Kultur benützen kann. Denn welches Licht wirft die Verzweiflungstat dieses überforderten obersten Amtsträgers auf all jene, die ihn, einen ehemaligen Sparkassen- und Giro-Verbandsfunktionär, gleich zweimal ins höchste Staatsamt gehievt haben, damit endlich auch ein Mann der (Finanz-)Wirtschaft Deutschland offiziell repräsentieren konnte? Und die, nachdem ihr Experiment im doppelten Sinne gescheitert ist (auch weil ihr Probant zuletzt eine sympathische Distanz zu jenem Finanz-Milieu entwickelt hatte, aus dem er einst gekommen war), jetzt, nach seiner überstürzten Flucht, allen Ernstes mit dem Gedanken spielen, ihm die ehrgeizige Tochter eines ehemaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten nachfolgen zu lassen. Apropos: Wir hätten wir hier in Bayern auch noch zwei Ministerpräsidentenkinder und a.D.-Minister als Kandidaten fürs PräsidentInnenamt in Berlin anzubieten!

Offensichtlich sind wir Bürger als Souverän schon alle so abgebrüht, dass uns solche vom Nepotismus und Lobbyismus grundierten Vorschläge und Nominierungen für höchste Ämter inzwischen kalt lassen. Eigentlich müssten wir auf Wahlen die Kandidaten der Parteien durchstreichen, so wie es einst couragierte DDR-Regimekritiker getan haben oder wir müssten laut schreiend auf die Straße gehen, wie die 68-er Generation. Aber wenn wir sehen, was aus vielen Schreihälsen geworden ist, nach ihrem Marsch durch die Institutionen (und wie sie sich heute schamlos um hochbezahlte Manager- oder Vorstands- bzw. Aufsichtsatsposten rangeln, mit Vorliebe von Energiekonzernen), sollten wir das Schreien lieber bleiben lassen und besser unsere Arbeit tun, das, was wir tun können, dann stehen wenigstens die kleinen Räder nicht still …

Auch wenn mir langsam einleuchtet, warum sich viele Jugendliche (auch hier bei uns am Weßlinger See) bei schönem Wetter von ihren Computern loseisen und mit Bierträgern und dicken Rotweinpullen losziehen, um sich unter freiem Himmel gemeinsam zu besaufen: Ich selbst möchte lieber einen klaren Kopf behalten und trinke schon seit Jahren keinen Alkohol mehr. Ich berausche mich lieber an Gedichten und an meiner Arbeit, da kann ich am besten all das vergessen, was gerade in mir hoch gekocht ist. Und was nicht der Grund war, warum ich mein Internettagebuch einige Tage lang vernachlässigt habe.

Vielmehr war ich damit beschäftigt, die Videoclips zu unserer „Großen ÖKT-Nacht der Poesie“ gemeinsam mit Richard Westermaier online zu stellen und (nach monatelangen Vorarbeiten) den neuen Auftritt meines Verlages und unserer Zeitschrift DAS GEDICHT im Internet abzuschließen.

All dies werde ich Ihnen anhand von ausgewählten Links in zwei weiteren Blogeinträgen präsentieren.

Bis bald also an dieser Stelle,
mit herzlichen Grüßen aus dem Weßlinger Dauerregen,
der gesund ist für alle jene Jugendliche, die sich sonst
bei schönem Wetter in den Ferien schon mit Spirituosen
auf den Weg zum See gemacht hätten, um …
Ihr Anton G. Leitner
;-)

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