Der Tod und die Frau: Zur Erinnerung an Erika Burkart

 

Liebe Besucherinnen und Besucher,

ich hatte in den vergangenen Wochen soviel Arbeit und war ständig „auf Achse“, so dass ich Ihnen erst heute an dieser Stelle mitteilen kann, dass die Grande Dame der Schweizer Gegenwartslyrik, Erika Burkart, im Alter von 88 Jahren gestorben ist. Sie verstarb bereits am Mittwoch, den 14. April 2010 in Muri (Schweiz).

Erika Burkart war die bislang einzigste Frau, die mit dem Großen Schillerpreis der Schweiz ausgezeichnet worden ist. Mit Erika Burkart verliert unsere  Zeitschrift DAS GEDICHT eine ihrer langjährigen Stammautorinnen. In fast allen meinen Anthologien sind ihre Gedichte vertreten.

Zuletzt beteiligte sich Erika Burkart auch noch mit mehreren Gedichten an meiner Netzanthologie zum 2. Ökumenischen Kirchentag/ÖKT (München, 12. bis 16. Mai 2010). Sie schickte mir ihre Gedichte zusammen mit einem ausführlichen handschriftlichen Brief, in „Bleistiftschrift der allgemeinen Schwäche wegen“ .

„Mit der Anthologie Hoffnung werden Sie Freude bereiten“, schreibt Erika Burkart, „da  jeder Mensch von einer bestimmten oder diffusen Hoffnung lebt, andere von durchaus unerfüllbaren Hoffnungen. Ohne das Prinzip Hoffnung wären wir wohl schon längst untergegangen, gleich einer Pflanzenart, die ausstirbt.“

Zur Erinnerung an diese große Dichterin publiziere ich auf meinem Blog noch einmal ihr Gedicht „Der Tod und die Frau“, wohl eines ihrer letzten Gedichte, schon deutlich gezeichnet von Schmerzen und Todeserwartug, aber voller Hoffnung. Ich präsentiere es zusammen mit einer Illustration von Elisabeth Süß Schwend.

Elisabeth Süß-Schwend zu dem Gedicht "Der Tod und die Frau" von Eika Burkart. Originalformat 10,5 x 15 cm

Erika Burkart

Der Tod und die Frau
Für Ernst

Durch die Felder bin ich gestreift,
pflückte Blumen, sammelte Namen,
Winter gingen und Frühlinge kamen,
mit ihnen Gäste; ich mochte jene,
die Bücher lasen und Briefe schrieben,
ich liebe Menschen, die lieben.

Nichts ist geblieben.
Mein Glück ist heute eine schmerzfreie Stunde,
die Absenz der Runde
mienenlos finsterer Geister.

Meister!
Rühr mich nicht an,
noch erreicht mich das Licht,
noch kann ich klagen,
das Schweigen befragen,
verstehe, was mitklingt, erwache,
verschreckt, an verschollenen Orten –
noch darf ich worten
aus meinem verlorenen,
nackten Gesicht.

Erika Burkart, geboren 1922 in Aarau (Schweiz), gestorben am 14. April 2010 in Muri (Schweiz). © Ernst Halter, Aristau/Althäusern (Schweiz)

In der ÖKT-Netzanthologie (zusammen mit weiteren Gedichten von Erika Burkart) publiziert am 3. Februar 2010, im Buch “Die Hoffnung fährt schwarz” abgedruckt auf S. 89.

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