ÖKT-Netzanthologie: Tandem Lechner/Süß-Schwend

 

Elisabeth Süß-Schwend zu dem Gedicht "Die Hoffnung der drei Tage" von Odilo Lechner OSB

Elisabeth Süß-Schwend zu dem Gedicht "Die Hoffnung der drei Tage" von Odilo Lechner OSB. Originalformat: 10,5 cm x 15 cm


Odilo Lechner OSB

Die Hoffnung der drei Tage

Maria, sage, was quält deine Seele?

„Das mir Anvertraute, das Liebste
ging mir verloren.
Da ist diese Angst,
dass alles verloren ist,
dass ich untergehe,
nicht mehr gehalten von des Engels Verheißung“.

Aber Du gibst es nicht auf,
weiter zu suchen bis zum dritten Tag,
da Du ihn findest mitten im Tempel,
gefangen von Gottes Wort.
Trotzdem die Frage:
Warum dieser Schmerz, warum die Trennung?
Warum, Warum?

Und doch – er ist da, nicht verloren.
Gefunden durch den Abschied hindurch.
Ja, größer ist er geworden und näher zugleich,
gehorsam Dir im kleinen Ort Nazareth.

Und doch immer wieder aufbrechend, ausbrechend,
immer wieder verloren, immer wieder gefunden
bis hin zu Golgatha,
wo alles verloren geht,
wo er selber der Tempel wird,
wo alles zum Leben erblüht
am dritten Tag.

Odilo Lechner OSB, geboren 1931 in München, lebt dort.
Odilo Lechner OSB ist Altabt der Klöster Andechs und Sankt Bonifaz.
© Odilo Lechner OSB, München

In der ÖKT-Netzanthologie publiziert am Ostersonntag, den 04.04.2010.

Dieser Beitrag wurde unter Anton G. Leitner, Neuerscheinungen, Gedichte von Lyrikerkollegen, Vermischtes veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

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