Andreas Schumacher gewinnt den Wettbewerb um den „2. Hochstadter Stier“

Liebe Besucherinnen und Besucher,

an hunderten von heutigen Zugriffen auf meinen Inernet-Blog sehe ich, wie viele von Ihnen schon darauf warten, dass ich mich mit einem aktuellen Eintrag melde. Ich war noch so wohlig erschöpft vom „2. Hochstadter Stier“ und bekam heute diesbezüglich etliche Anfragen und Anrufe, dass ich erst jetzt dazukomme, einen ersten Blogeintrag zum Ausgang des „2. Hochstadter Stiers“ zu machen. Demnächst folgen natürlich weitere Einträge.

Zunächst freue ich mich sehr, dass der „2. Hochstadter Stier“ mindestens so erfolgreich über die Bühne gelaufen ist, wie der erste. Die Süddeutsche Zeitung schreibt vom „brechend vollen Saal“ des Gasthofes Schuster in Hochstadt, und was können sich Lyrikveranstalter mehr wünschen, als Warteschlangen von Lyrikinteressierten an der Abendkasse, und Gäste, die nach der Veranstaltung gut gelaunt nach Hause gehen?

Ich will Sie aber jetzt nicht länger auf die Folter spannen. Falls Sie noch nicht wissen sollten, wer in diesem Jahr den Lyrikwettebwerb um den „2. Hochstadter Stier“ gewonnen hat: Die Mehrheit der weit über 100 Publikumsjuroren entschied sich für das Gedicht „Es gibt keinen Gin“ des jungen Literaturwissenschaftlers Andreas Schumacher aus Walheim. Den zweiten Platz belegte Konstanze Reupsch aus Golm, den dritten Platz Isabelle Feix aus Gilching.

2. Hochstadter Stier: Die Preisträger Konstanze Reupsch (2. Platz), Andreas Schumacher (1. Platz) und Isabelle Feix (3. Platz) mit den Mentoren Said und Anton G. Leitner

Andreas Schumacher wurde 1981 in Bietigheim-Bissingen geboren und wohnt in Walheim (Baden-Württemberg). 2007 erschien sein erster Gedichtband „Herr der Möhren“ in der Reihe Poesie 21 bei Steinmeier.

Erste Videoclips zum „2. Hochstadter Stier“ können Sie sich bereits auf dem im Aufbau befindlichen Videokanal meiner Zeitschrift DAS GEDICHT auf YouTube anschauen, wenn Sie im YouTube-Suchfenster „dasgedichtclip“ eigeben oder einfach hier klicken.

Der Bayerische Rundfunk berichtete bereits heute Mittag in seinem Hörfunkprogramm Bayern 1 vom Wettbewerb um den „2. Hochstadter Stier“.
Eine Kurzfassung des Berichts können Sie sich auch auf der Homepage des Bayerischen Rundfunks via Internet anhören.

Hochstadter Stier 2010: Schwenk ins Publikum

Abschließend präsentiere ich Ihnen noch an dieser Stelle das Siegergedicht von Andreas Schumacher. Die Tatasche, dass für den „3. Hochstadter Stier“, der vom 28. bis 30. Januar 2011 in Hochstadt mit der vielfach ausgezeichneten Autorin Prof. Kerstin Hensel als Mentorin stattfindet (zum Thema „Natur“),  heute, am ersten Tag nach dem „2. Hochstadter Stier“ und ein Jahr vor Wettbewerbsbeginn, nur noch 5 Teilnehmerplätze vergeben werden können, spricht, so meine ich, für sich.

Und jetzt wünsche ich Ihnen eine gute Nacht mit dem Gedicht „Es gibt keinen Gin“ von Andreas Schumacher. Bis bald an dieser Stelle,
Ihr Anton G. Leitner aus Weßling

Andreas Schumacher

Es gibt keinen Gin


Es sucht seit seinem Anbeginn
der Mensch nach Wahrheit und nach Sinn.

Wo komm ich her? Wo geh ich hin?
Weswegen gibt’s in Kneipen Gin?

Wo Gin doch so bescheiden schmeckt,
dass man ihn besser gleich versteckt,

wenn einer einmal nicht viel denkt
und einem eine Flasche schenkt.

Warum ist die Banane krumm?
Weswegen ist die Dummheit dumm?

Was darf ich hoffen, soll ich tun?
Muss ich z. B. durch den Monsun,

weil Tokio Hotel das singen?
Und müsst ich vom Hoteldach springen,

bloß weil deren Sänger Bill
das auf einmal auch noch will?

Hat ein Gott die Welt erschaffen?
Gibt’s ein Paradies für Affen?

Oder landen Affenseelen
gleich verdorbenen Garnelen,

allerdings mit viel Gebrüll,
auf dem Bio-Sondermüll?

Gin ist überhaupt nicht süß,
dieses wissen wir gewiss

aus empirischer Erfahrung –
Gin ist keine Offenbarung.

Taten Aliens uns kreieren,
um sich seicht zu amüsieren,

so wie wir uns gleichfalls freuen,
wenn wir uns im Zoo zerstreuen?

Und sagte drum der Nihilist
nicht gleichfalls: „Alles nicht’ger Mist!

Die spüren auch die Konsequenzen
in höchstens zehn Milliarden Lenzen,

wenn’s Universum implodiert
und höchstens noch mal eins gebiert …“

Sind alle Werte objektiv
betrachtet völlig relativ?

Übt der Christ die Nächstenliebe,
pocht der Masochist auf Hiebe.

Der Hedonist will den Genuss.
Der Dandy feilt am Habitus.

Und was passiert wenn ein Sadist
dem Hindumönch das Brot wegfrisst,

so dass der gute Hindumann
sich Hungers sterbend freuen kann,

dass er bald wieder aufersteht
und weiterhin zum Bäcker geht?

Hatten beide – wär doch krass! –
dann nicht einen Heidenspass?

Und so weiter und so fort.
Nein, es gibt ihn nicht, den Ort,

zu keiner Zeit (soll heißen: nie
außerhalb der Utopie),

nein, es gibt ihn nicht den Ort
wo alle Menschen glücklich sind –

ausgenommen England, wenn es im 197. Anlauf
endlich gegen Deutschland im Elfmeterschießen gewinnt!

Dann trink ich – wenn ich dann noch bin –
versprochen: Fünfzehn Liter Gin.

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Eine Antwort zu Andreas Schumacher gewinnt den Wettbewerb um den „2. Hochstadter Stier“

  1. renate hausdorf schreibt:

    Lieber Herr Leitner,
    die Hoffnung fährt schwarz ….
    herzlichen Dank für dieses Buch. Ich mache Werbung in meinem Ök. Arbeitskreis in Gräfelfing und werde zu einem Geburtstag daraus lesen und es auch verschenken. Ein Freund hat sich zum 60. Geburtstag 60 Gedichte von seinen Gästen gewünscht. Das wird sicher ein langer und intensiver Abend.
    Nochmals herzlichen Dank
    Renate Hausdorf
    (beim Advent der Künstlerseelsorge saßen wir zusammen am Tisch)

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