Unser Land kann mehr

 

Liebe Besucherinnen und Besucher,

als ich gestern vormittag wieder einmal auf dem Münchner Viktualienmarkt frisches Obst und Gemüse eingekauft habe, bin ich an etlichen Parteiplakaten zur heutigen Bundestagswahl vorbeigekommen. Während gleich drei Kleintransporter im Konvoi (besonders spritsparend) Guido Westerwelles Konterfei im Riesenformat an mir vorbeikutschierten, mit der bemerkenswerten Aussage, „Arbeit muss sich wieder lohnen“, faszinierte mich ein SPD-Parteiplakat mit dem Bildnis von deren müde lächelndem Kanzlerkandidaten Frank Walter Steinmeier. Denn es enthielt eine Aussage, die sich problemlos ergänzen lässt. „Unser Land kann mehr“, steht darauf und ich habe es gedanklich ergänzt um den Zusatz „als seine Politiker“.

Danach überquerte ich den Münchner Marienplatz. Das Rathaus war förmlich umstellt von dutzenden von Polizeifahrzeugen mit Bamberger Kennzeichen. Die CSU bereitete dort ihre „Abschlussveranstaltung zum Bundestagswahlkampf 2009“ vor.

Ich sah mehr aus Bamberg herbeigekarrte Polizisten in martialisch wirkenden Kampfanzügen als Publikum und fragte mich, wieso die Errichtung einer polizeilichen Wagenburg nötig ist, wenn einige Politiker ihre Sprechblasen absondern. So etwas müsste doch auch umweltverträglicher und kostengünstiger zu bewerkstelligen sein, vielleicht übers Internet? Und die Geschäftsleute rund ums Münchner Rathaus haben mir alle ihr Leid geklagt, dass vor lauter Polizeifahrzeugen ihre Läden zugestellt seien, sogar die Bürgersteige, und kein Mensch mehr bei ihnen einkaufe.

 „Unterwegs für Sie zur Krisenbewältigung“ oder so ähnlich stand auf einem geparkten Parteimobil mit einer diagrammartigen Kurve, die nach oben zeigte. So manche Politiker haben in den Aufsichtsräten von etlichen Banken verschlafen, was dort vor sich geht, und damit letztendlich selbst ein gerüttelt Maß zur selbigen Krise mit beigetragen, deren „Bewältigung“ sie sich jetzt auf die Fahnen schreiben. Dabei verstärken sie die Krise noch, indem sie verkaufsbereiten Händlern die Schaufenster zustellen lassen. Und während sie vom Sparen sprechen, produzieren sie weiter Kosten, beispielsweise durch Herankarren von Polizisten aus der bayerischen Provinz, die sogar ihren eigenen Polizeikrankenwagen mitgebracht hatten. Sollten diese Polizisten die bayerischen Politiker vor ihrem Wahlvolk beschützen?

Und während über eine überdimenisonierte Lautsprecheranlage modern wirkende Musik erschallte, sah ich auf einem Großbildschirm ein offensichtliches Mitglied der Jungen Union tänzelnd mit dem Mikro herumspringen. Der smarte Jüngling im Anzug mit gegeeltem Haar wirkte dabei wie ein ausgeflippter Investmentberater, verkündete aber dann zu meiner Beruhigung mit staatstragender Stimme: „Es geht gleich los, meine verehrten Damen und Herren“. Und während er sprach und ich immer schneller, fast fluchtartig, den Marienplatz verließ, dachte ich mir, das alles hätten sie sich wirklich sparen können, vor allem im Interesse der nächsten Generation, die für all dies die Zeche wird bezahlen müssen.

Wie auch immer diese Wahl ausgeht, es wird heute abend jedenfalls wieder nur Gewinner geben und die einzigen Verlierer werden einmal mehr wir sein, die Wähler, fürchtet augenzwinkernd Ihr
mangels Auswahl wahlmüder
Anton G. Leitner,
herzlich grüßend.

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