Heute Demo!

Liebe Besucherinnen und Besucher,

am heutigen Sonntag gibt es die erste Großdemonstration in der Geschichte des Dorfes Weßling. Die Bürger von Weßling und der umliegenden Gemeinden protestieren ab 15 Uhr gegen die Ausdehnung des Flugbetriebs auf dem ehemaligen Dornier-Werksflughafen im Weßlinger Ortsteil Oberpfaffenhofen. Mit Ausnahme der CSU, der bekanntlich schon seit den Höhen- und Tiefflügen ihres ehemaligen großen Vorsitzenden Franz Josef Strauß (ich sage nur: „Steuerbefreiung für Flugbenzin!“) ein halberotisches Verhältnis zur Fliegerei nachgesagt wird, rufen fast alle Parteien und Gruppierungen zur Beteiligung auf und ich folge ihrem Ruf und demonstriere mit.

Allerdings finde ich es ein wenig heuchlerisch, nur gegen Fluglärm zu protestieren. Ein Mensch wie ich braucht zu seiner Arbeit vor allem Ruhe. Und wahrscheinlich bin ich mit diesem Bedürfnis bei weiten nicht der einzige im Ort.

Und, unter uns gesagt: Ich wäre manchmal richtig froh, wenn ich den Lärm von Flugzeugen vom Lärm der Motorsägen, Kreissägen, Laubsauger, Heckenscheren, Rasenmäher, Mehrgang-Schlagbohrer, Bandschleifer, Luftdruckreiniger, Auto-Hifi-Anlagen, Auto-Staubsauger, PKWs, LKWs, S-Bahnen, Papiermüllentsorger, Plastikmüllentsorger, Restmüllunterentsorger, Feuerwehrsirenen, Martinshörner usw. unterscheiden könnte.

„Flugzeuge“, sagt meine Mitarbeiterin Gabriele Trinckler, „sind hier in Weßling eigentlich noch die geringste Lärmquelle“ – und freut sich täglich darauf, dass sie ab 18 Uhr wieder – mit einem langgezogenen Quietschton auf den abgefahrenen S-Bahnschienen – in ihr „ruhiges München“ fahren darf.

Und so will ich heute nicht nur gegen Fluglärm protestieren, sondern auch gegen den hausgemachten Lärm. Und vielleicht finde ich sogar einige Demonstrantinnen und Demonstranten, die mir beipflichten, dass wir im Grunde genommen erst einmal gegen uns selbst demonstrieren müssten. Eigentlich bräuchten wir ja nur die schon vorhandene gemeindliche Satzung einhalten, die das Verhältnis zu ruhestörenden Arbeiten regelt. Denn der Lärm aus der Luft lässt sich nicht abstrakt loslösen vom Lärm auf der Erde. Und die Boden- und Geräuschhoheit über unsere eigenen Grundstücke haben wir selbst!

Erst also sollten wir den lärmenden Schweinehund in uns überwinden. Und danach können wir uns guten Gewissens noch einmal treffen und gemeinsam gegen den Lärm aus der Luft demonstrieren.

Vielleicht ist mir der „Naherholungsort“ Weßling nach fast 45 Jahren einfach zu „nahe“, als dass ich mich in ihm erholen könnte?

Aber jetzt muss ich erstmal demonstrieren gehen
und verabschiede mich so leise wie möglich
um hinterher lautstark zu protestieren …
mit herzlichen Grüßen

Ihr Anton G. Leitner
(der seit Jahren stets „Ohropax“ in Griffweite auf dem Schreibtisch liegen hat)

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