Ein Vorschlag an Günter Grass

Lieber Günter Grass,

Martin Walser hatte gestern Abend im ZDF eine treffliche Erklärung für die 60-jährige Verspätung Ihres SS-Coming-Outs: Deutschland biete nicht das nötige Klima für derartige Offenbarungen. Und im Übrigen empfiehlt Walser den Vertretern des Literaturbetriebs: „Maul halten!“

Inzwischen ist auch, quasi über Nacht, Ihr Hardcover-Band erschienen (drei Wochen früher als geplant). Sie selbst hüllen sich in ein medienwirksames Schweigen und empfehlen uns verstörten Lesern, die entsprechenden Passagen in Ihrem Buch selbst nachzulesen. Ihr guter Rat war vielen teuer, denn wie Ihr Verlag stolz vermeldet, ist die Startauflage (150.000 Exemplare) inzwischen fast abverkauft.

Sie können auf denkbar einfache Weise zeigen, dass Sie in keiner Weise materiell von der Enthüllung Ihrer SS-Zugehörigkeit profitieren wollen. Spenden Sie alle Einnahmen, die mit dem Buch verbunden sind, den Opfern der Waffen-SS.

Diese Geste, der sich vielleicht auch Ihr Verlag anschließen könnte, würde nicht nur mein altes Grass-Bild wiederherstellen.

Mit diesem ernst gemeinten Vorschlag
verabschiedet sich
mit freundlichen Grüßen
aus Weßling

Ihr Anton G. Leitner

DAS GEDICHT, Herausgeber

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