GEDICHT-Premiere in München / Leitner im BR-alpha forum

13. November 2009

 
Drei herzliche Einladungen:
• für Donnerstag, 19.11.2009 um 20 Uhr nach Gauting –
 
Ani/Bardola/Leitner/Laar im Bosco
• für Montag, 30.11.2009 um 20:15 Uhr vor den Fernseher –
  Anton G. Leitner im BR-alpha forum
• für Dienstag, 1.12.2009 um 20 Uhr nach München: GEDICHT-
  Premierenlesung mit 15 Lyrikern im GAP

Weßling, den 13.11.2009

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freundinnen und Freunde der Poesie,

die Premierenlesung in der Alten Schmiede zu Wien aus der neuen GEDICHT-Ausgabe (Nr. 17, „Fürchte dich nicht – spiele!“) am 10. November 2009 war für uns alle ein beglückendes Erlebnis. Mit Friedrich Ani (München), Alex Dreppec (Darmstadt), Gerhard Rühm (Köln-Wien) und Mario Wirz (Berlin) traten Autoren für DAS GEDICHT auf, denen es einmal mehr gelungen ist, ihr aufmerksames und konzentriertes Publikum zwei Stunden lang zu fesseln und mit Lyrik im besten Sinne zu unterhalten. Der Andrang in die Alte Schmiede, dem Literaturort Nr. 1 in Wien, war so groß, dass schließlich keine Stühle mehr zur Verfügung standen und einige Zuschauer buchstäblich unsere Lesungen „durchstehen“ mussten, was sie gut gelaunt und mit beachtlichem Stehvermögen getan haben. Das Spektrum der vorgetragenen Texte reichte von der komischen Lyrik mit Slam-Elementen (Dreppec) über erzählende Gedichte (Ani) zu radikal einfachen Versen von kristalliner Schönheit (Wirz) bis hin zur Lautpoesie (Prof. Rühm).  

Weil aber nach einer alten Sportregel nach dem Spiel vor dem Spiel ist, möchte ich Sie an dieser Stelle bereits ganz herzlich auf zwei neue Veranstaltungstermine einladen und Sie außerdem auch auf eine Fernsehsendung mit mir aufmerksam machen.

 1.) Am Donnerstag, den 19. November 2009 lese ich um 20 Uhr zusammen mit Friedrich Ani in Gauting (Bosco-Kulturzentrum, Oberer Kirchenweg 1, 82131 Gauting, Telefon: 089/45238580) Gedichte vom Werden, Leben und Vergehen. Der Münchner Literaturkritiker und Schriftsteller Nicola Bardola moderiert unsere Lesungen, Klangkünstlerin Augusta Laar sorgt an den Plattentellern für gute Zwischentöne und akustische Gedankenpausen. Veranstalter ist das renommierte Theaterforum / Literaturforum im Bosco, der Eintritt beträgt Euro 12,-. Gauting ist die Nachbargemeinde von Weßling und es berührt mich auch nach fast 30-jähriger Bühnenerfahrung noch immer besonders, in der Nähe des eigenen Lebens- und Arbeitsmittelpunktes aufzutreten. Ich würde mich sehr freuen, Sie am 19. November in Gauting persönlich begrüßen zu dürfen und denke, es wird dort eine Fülle von spannenden Begegnungen rund um die Poesie geben. 

 2.) Am Montag, den 30. November 2009 möchte ich Sie einladen, um 20:15 Uhr Ihr Fernsehgerät einzuschalten und BR-alpha  zu schauen (bzw. Ihren Videorecorder entsprechend zu programmieren). Der Bayerische Rundfunk (BR) strahlt dann nämlich zum ersten Mal ein 45-minütiges Fernseh-Talkportrait über mich in seinem BR alpha-Forum aus. Moderator Dr. Dieter Lehner  unterhält sich mit mir über wichtige Stationen meines Lebens und künstlerischen Werdegangs. Die Sendung wird ungeschnitten, 1:1 so ausgestrahlt, wie sie aufgezeichnet worden ist, was vielen Interviews dieser Reihe einen unverwechselbaren Live-Charakter und eigenen Charme verleiht. Der BR publiziert das Gespräch mit mir nach der Sendung auch im Wortlaut auf seiner Internetseite, zusammen mit bio-bibliographischen Hinweisen. Die Sendung wird am Dienstag, den 1. Dezember 2009 um 13 Uhr auf BR-alpha wiederholt.

 3.) Nach dem virtuellen Fernseherlebnis gibt es dann am 1. Dezember 2009 um 20 Uhr in München (Café GAP, Goethestr. 34, 80336 München) die Gelegenheit, so manchen Dichterkollegen, der in der BR-alpha-Sendung erwähnt war, zusammen mit mir live auf der Bühne zu erleben.

Friedrich Ani und ich haben viele Dichterfreunde und Kollegen eingeladen, im Rahmen von gemeinsamen Lesungen unter dem Motto „Fürchte dich nicht – spiele!“ die München-Premiere unserer GEDICHT-Edition zu feiern.

Wir präsentieren DAS GEDICHT 17  zusammen mit Franz Dobler und Albert Ostermaier. Außerdem lesen Lyrikdebütant Leander Beil (Jahrgang 1992), Ulrich Johannes Beil, Jürgen Bulla, Gert Heidenreich, Walter Flemmer, Alma Larsen, Theres Lehn, Birgit Müller-Wieland, Frank Schmitter, Ludwig Steinherr, Siegfried Völlger und Josef Wittmann aus der neuen Ausgabe.

Klangkünstler Kalle Laar präsentiert „Töne der Angst“. Der Münchner Schriftsteller und Literaturkritiker Nicola Bardola führt durch den Abend. Er moderiert auch eine kurze Herausgeberrunde mit Friedrich Ani und mir.

Im Anschluss besteht die Möglichkeit zu zwanglosen Gesprächen mit den Akteuren. Der Eintritt beträgt Euro 7,-, wir veranstalten diese Premierenlesung zusammen mit dem Kulturreferat der Landeshauptstadt München und dem GAP (Telefon: 089/54404094). Da unsere Leseliste viele poetische Ausnahmetalente versammelt, empfiehlt sich das rechtzeitige Erscheinen am 1.12.2009 im GAP, das verkehrsgünstig und zentral in der Münchner Goethestraße gelegen ist.

Ich freue mich auf prickelnde Gedichte, ergiebige Gespräche und intensive Begegnungen.

Herzliche Grüße aus Weßling
und bis bald,
Ihr Anton G. Leitner


Feuertaufe glänzend bestanden. Premierenlesung von DAS GEDICHT 17 am 10. November 2009 in der Alten Schmiede, Wien

12. November 2009
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Gerhard Rühm liest für DAS GEDICHT in der Alten Schmiede zu Wien und bringt dabei ein neues Gedicht zur "Welturaufführung". Nicht nur, weil in der Alten Schmiede die Stühle ausgegangen sind, erntet der Mitbegründer der legendären Wiener Gruppe stehenden Beifall.

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Der Berliner Dichter und GEDICHT-Stammautor Mario Wirz liest in Wien Zirkus-Gedichte von kristalliner Schönheit. Nichts ist schwerer, als komplexe Lebenssachverhalte mit einfachen Worten zu verdichten.

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Slamstar Alex Dreppec aus Darmstadt erntet mit seinem schwarzhumorigen Gedicht zur Angst vor Ansteckungen mit Viren in den Zeiten der Schweinegrippe Szenenapplaus in Wien.

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Prof. Gerhard Rühm und Dr. Kurt Neumann (Chef der Alten Schmiede) bei der Nachfeier im Wiener "Salzamt"

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Felizitas Leitner neben Friedrich Ani (leicht verdeckt) im "Salzamt", Wien. Gegenüber der Wiener Lyriker und GEDICHT-Autor Rudolf Kraus.

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Die Nichtraucher Alex Dreppec und Felizitas Leitner warten am 11. November 2009 mittags in der Raucherzone des Wiener Traditionskaffeehauses "Westend" auf Zigarrenraucher Manfred Chobot, Wiener Dichter-Urgestein. Chobot ist nicht mit auf dem Bild, weil er in der Nichtrauchersektion auf Leitners und Dreppec wartet. Dank Handy finden schließlich alle in der Nichtraucherzone zueinander (Happy End). Aber um ein Haar hätten sich alle verfehlt - aus gegenseitiger Rücksichtnahme!


dtv-Anthologie „power“ unter den „50 besten Kinder- und Jugendbüchern 2010“

04. Oktober 2009

Liebe Leserinnen und Leser,

2009 war ein Jahr, das mir bislang nichts geschenkt hat. Aber es war auch eines meiner kreativsten Jahre überhaupt. Innerhalb von sechs Monaten erschienen fünf Anthologien bei dtv und eine Anthologie bei Reclam.

Die ununterbrochene Arbeit hat sich gelohnt, wie es scheint. Denn meine neue dtv-Anthologie „power“ (hier eine Leseprobe) gelangte in den viel beachteten Kanon Die 50 besten Kinder- und Jugendbücher 2010“, der traditionell auf der Frankfurter Buchmesse von Nicola Bardola präsentiert wird. Der renommierte Buchexperte Bardola stellt schon zum fünften Mal die 50 besten Kinder- und Jugendbücher der laufenden Buchsaison vor. Dabei wird er von einer prominenten Jury von Autoren, Journalisten und Buchhändlern unterstützt.

9783423137775_power300dpi„power ist eine schmale Poesiesammlung, eine Brausetablette im Büchermeer, die es in sich hat und jungen Menschen zeigen kann, wie wichtig gute Gedichte heute sind. Keine andere literarische Gattung geht so sorgfältig mit Sprache um wie die Lyrik. Wer Lyrik liest, ist gewappnet für jegliche Form von wertvollen Texten bis hin zum täglichen Sprachmüll. […]. Es sind viele High-speed-Verse dabei, die vom Gasgeben, von Stampeden, von bouncenden Bässen in Bassboxen oder von Propellern, die gesprossen sind an Ober- und Unterschenkeln erzählen: da burnst du baby yeah. Lies doch mal!“, heißt es in der Begründung, die ab November sogar in Buchform nachzulesen ist, nämlich in: Nicola Bardola, „Lies doch mal! Die 50 besten Kinder- und Jugendbücher 2010“ (cbj).

Mich freut es besonders, dass „power“ den Sprung unter die Top 50 der Kinder- und Jugendbuchsaison 2009 geschafft hat, da es ja eigentlich im „Erwachsenprogramm“ bei dtv erschienen ist. Aber ich hatte mir die innere Vorgabe auferelgt, dass diese Sammlung (sowie ihre beiden Schwestern „relax“ und „smile“) besonders auch junge Leserinnen und Leser ansprechen soll.

Soviel für heute. Jetzt aber hinaus ins Freie, um noch einige Sonnenstrahlen zu erwischen!

Herzliche Grüße
und bis bald an dieser Stelle,
Ihr Anton G. Leitner


Neue Ausgabe der Zeitschrift „Das Gedicht“ erschienen: Mitherausgeber Friedrich Ani plädiert für mehr Mut in der Gesellschaft

23. September 2009

P r e s s e e r k l ä r u n g

DAS GEDICHT Nr. 17

DAS GEDICHT Nr. 17

(Weßling) – Die buchstarke Jahresschrift „Das Gedicht“ widmet ihre 17. Folge dem Thema Angst. Unter dem Motto „Fürchte dich nicht – spiele!“ präsentieren die Herausgeber Friedrich Ani und Anton G. Leitner 99 Gedichte mit Mut zum Übermut.

77 Lyriker aus allen Generationen weisen poetische Wege aus der Furcht. Das Spektrum reicht vom fünfjährigen Yunus aus Berlin-Kreuzberg über den Münchner Lyrik-Debütanten Leander Beil (geboren 1992) bis zu Friederike Mayröcker (Jahrgang 1924). Die Wiener Grande Dame der Poesie besiegt ihre Todesangst in Versen: „Was für 1 Wunder, dasz ich lebe!“  Der ehemalige DDR-Regimekritiker Lutz Rathenow (Berlin) leistet Amok-Prävention. „Die Krise küsst uns glücklich“, dichtet er und stellt sich so der Rezession. Auch Franzobel, Helmut Krausser, Albert Ostermaier, Matthias Politycki und viele andere beleuchten in ihren neuen Gedichten die verschiedenen Facetten der Angst. Anja Tuckermann, Trägerin des Deutschen Jugendliteraturpreises, steuert ein Bonus-Kapitel mit Texten ganz junger Poeten (zwischen 5 und 11 Jahre) bei.

Friedrich Ani, Mitherausgeber von DAS GEDICHT Nr. 17

"Einbildung ist die Krankheit der Gegenwart" - Friedrich Ani (Mitherausgeber von DAS GEDICHT 17)

„Einbildung ist die Krankheit der Gegenwart“, diagnostiziert Friedrich Ani im Essayteil und stellt fest: „In Wahrheit schreckt uns nicht der Wecker aus dem Schlaf, sondern die Angst, der Tag könnte schneller sein als wir.“ Ani und Leitner fragen Bayerns evangelischen Landesbischof Dr. Johannes Friedrich nach der Notwendigkeit von mehr „Zivilcourage“. Die aktuellen Gewalttaten von Jugendlichen in München-Solln und Ansbach zeigen die Brisanz dieser Thematik. Schulleiter Peter Borjans-Heuser sammelte lange Jahre praktische Erfahrungen in der Konfliktintervention mit aggressiven Teenagern. In seinem Aufsatz für die Zeitschrift „Das Gedicht“ ergründet er, warum sich Lehrer heute vor ihren Schülern fürchten.

Als erfahrener Lyrikherausgeber kennt auch Anton G. Leitner existenzielle Ängste. Seit 17 Jahren trotzt er der zunehmenden Kommerzialisierung in der Buchbranche. „Wer nichts wagt, gewinnt nichts, im realen Leben wie in der Poesie“, lautet bis heute sein Credo.

Inhaltsverzeichnis und Leseprobe

(Das Gedicht Nr. 17 / 2009/2010: „Fürchte dich nicht – spiele!“, herausgegeben von Friedrich Ani und Anton G. Leitner, Anton G. Leitner Verlag, Weßling 2009, 165 Seiten, 12,- Euro, ISBN 978-3-929433-69-2; Internet: www.DasGedicht.de und www.AntonLeitner.de)


„Schluss mit Solidarität!“

20. September 2009

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Weßling, den 20./21. September 2009

Liebe Leserinnen und Leser,

auch am Sonntag bin ich wieder einmal in meinem Verlag und dort mit der Auslieferung der druckfrischen Ausgabe von DAS GEDICHT Nr. 17 beschäftigt. Und einmal mehr gehe ich nur in Gedanken mit meiner Mittelschnauzerin Nelly um den idyllischen Weßlinger See  spazieren, der nur wenige hundert Meter von meinen Verlagsräumen entfernt liegt. Hat aber auch vielleicht sein Gutes, dann muss ich mich nicht über das aggressive Plakat eines Milchbauern ärgern, der, wie ein Blick in die einschlägige Suchmaschine  zeigt, allein schon im vergangenen Jahr von der EU Subventionen in einer Höhe bezogen hat, die an das Jahresgehalt eines Normalverdieners grenzen.

Nun bin ich der Letzte, der den Milchbauern keine fairen Preise für ihre Milch zahlen möchte, aber wenn ich im Lokalteil der Süddeutschen Zeitung lese, dass auch Milchbauern aus unserer Region Milch mit dem Güllewagen aufs Feld fahren und dort bis zu 70.000 Liter aus Protest verschütten, während anderswo auf der Welt tausende von Menschen verhungern, dann bin ich fassungslos. Und dann reut mich jeder Cent, der auch aus meinem nicht minder hart verdientem Geld „Landwirten“ wie diesen zufließt und ich ärgere mich noch mehr darüber, dass zu solchen wahnsinnigen Aktionen kein Kirchenmann oder Politiker klar und deutlich Stellung bezieht. Deshalb tue ich es wenigstens auf meinem Blog: Den Landwirten, die mit solch einer Verachtung und Respektlosigkeit mit Lebensmitteln umgehen, gehört der Geldhahn aus Brüssel abgedreht. Und zwar so schnell wie möglich.

 Bevor ich mich aber noch weiter erbose, vielleicht auch, weil ich so der Auslieferungsarbeit zu entkommen hoffe, kann ich noch über erste Sofort-Reaktionen von Leserinnen und Lesern auf die neue GEDICHT-Ausgabe Nr. 17 berichten.

 „Einmal ist Schluss, weil man/frau kann nicht überall mitmischen und unterstützen; es gibt leider kein Miteinander und keine Solidarität“, mailt eine Abonnentin und lässt ihrer Behauptung gleich Taten folgen, nämlich die Kündigung. „Die Mayröcker interessiert mich überhaupt nicht. Ich bin der Meinung, dass von ihren zigtausenden von Gedichten 95% geistloses und überflüssiges Geschwätz sind“, mailt mir ein anderer Leser. Eine weitere Leserin erkundigt sich nach unseren Aufnahmekriterien, weil sie eigentlich der Meinung sei, dass es auch ihre Gedichte verdient hätten, im neuen GEDICHT zu stehen.

Angesichts der Tatsache, dass in der neuen GEDICHT-Ausgabe über acht Monate Arbeitszeit stecken, tun solche Spontanreaktionen, die vielleicht auch aus der Verärgerung heraus entstanden sind, nicht selbst in der Ausgabe vertreten zu sein, natürlich sehr weh. Denn insbesondere von Kolleginnen und Kollegen würde ich mir einen respektvolleren und sensibleren Umgang mit der literarischen Arbeit anderer wünschen. Friederike Mayröcker gehört ohne jeden Zweifel zu den wichtigsten lebenden Lyrikerinnen aus unserem Sprachkreis, an ihre Wortmacht, ihren Wortschatz und ihr Reflexionsvermögen kann nur ein Bruchteil all jener Zeitgenossen, die mehr oder weniger erfolgreich Gedichte schreiben, rühren.

Ich denke, wir sind ohnehin schon eine vom Neid infizierte Gesellschaft, wir sollten es uns deshalb insbesondere als Lyriker gönnen, uns an den Texten anderer zu erfreuen und sie zu genießen. Ich lese gerne den SPIEGEL, egal, ob ich selber drinstehe oder nicht, und habe, das sei an dieser Stelle auch einmal gesagt, in den ersten zehn Jahrgängen meiner Zeitschrift DAS GEDICHT kein einziges Gedicht von mir darin veröffentlicht. Ich tat dies erst, als meine Gedichte in Standardwerke wie Das deutsche Gedicht vom Mittelalter bis zur Gegenwart“ (herausgegeben von Prof. Wulf Segebrecht) oder in „Das große deutsche Gedichtbuch“ von Professor Karl Otto Conrady aufgenommen wurden, dem ich bei dieser Gelegenheit ganz herzlich zum renommierten „Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik“ für seine Gedicht-Anthologie Lauter Lyrik – Der Hör-Conrady“  gratuliere. Conrady hat seit  jeher plural getickt, er nahm mich 2000 erstmals in seine Sammlung auf, obwohl wir gerade damals manch kritischen Disput miteinander geführt haben. Aber ein Mann wie er hat sich von solchen Differenzen nicht abhalten lassen, ohne Ansehen der Person, zu tun, was er für richtig hielt. Denn im Zentrum seiner Arbeit standen und stehen immer nur die Texte, d. h. Gedichte selbst und nicht deren Verfasser oder seine persönliche Beziehung zu ihnen. Einzig und allein so kann ein Herausgeber Bücher machen, die dann auch wirklich gelesen werden.

Aber selbstverständlich will ich Ihnen an dieser Stelle auch nicht die ersten positiven Reaktionen auf die neue GEDICHT-Folge vorenthalten. Eine Leserin war so begeistert von der lyrischen Behandlung des Themenkomplexes Angst-Gewalt und „poetische Prävention“, dass sie spontan 100 Exemplare der Ausgabe nachgeordert hat, um sie insbesondere an Gymnasien zu verschenken. Und ein Kollege aus der Buchbranche war so angetan von Ausstattung und Auswahl der aktuellen Folge, dass er für sein Haus sofort die Umschlagseite 4 von DAS GEDICHT 18 (2010) reservierte.

Mir persönlich würde es sicherlich finanziell besser gehen, wenn ich DAS GEDICHT  nicht verlegen würde. Denn fast alle Mittel, die ich als Herausgeber und Autor mit anderen Projekten verdiene, fließen in die Zeitschrift. Trotzdem möchte ich keines der 17 existentiellen Arbeitsjahre missen, die ich bislang in mein Herzblatt investiert habe.

Und ich bin überzeugt davon, dass DAS GEDICHT als „Publikumszeitschrift für Lyrik“ heute notweniger ist denn je, da es nach wie vor in der Lage ist, Lyrik in die gesellschaftliche Diskussion zu bringen. Auch insoweit unterscheidet es sich von manch einem insiderhaft betriebenen Kraut-und-Rüben-Poesieprojekt im Internet. Aber selbstverständlich gibt es im Netz auch Portale für deutschsprachige Lyrik und ihre Diskussion, die seriös, jenseits des gegenseitigen Schulterklopfens, und vor allem mit redaktionellem Sachverstand betrieben werden. Allen voran der von Andreas Heidtmann verantwortete Poetenladen.

Nachtrag vom 21. September 2009: Einen etwas junggermanistisch angehauchten Streifzug durch die Lyrik im Netz unternahm dieser Tage übrigens die Online-Ausgabe der Hamburger Wochenzeitung DIE ZEIT. Auch wenn ihr Flanuer offensichtlich einäugig (d. h. mit  mindestens einer literaturbetriebsbedingten Scheuklappe) unterwegs ist, bestätigt er im Wesentlichen meine „Kraut & Rüben-These“ - wobei er im Bezug auf den Poetenladen auf eine andere Wertung kommt als ich. Jedenfalls ist es amüsant, die mit ins Netz gestellten Kommentare zu lesen. Irgendwie erinnern sie an eine Auseinandersetzung unter frühpensionierten Laubenkolonisten oder an den Protest von Milchbauern (siehe oben).

So, jetzt aber gleich wieder zurück an den Packtisch und bloß nicht die Bodenhaftung verlieren ;-)

Herzliche Grüße aus Weßling
und bald wieder an dieser Stelle
Ihr Anton G. Leitner