Barack Obama – Amtseinführung mit Lyrik. Gastkommentar von Axel Kutsch.

23. Januar 2009

 

 

Liebe Besucherinnen und Besucher,

seit über 25 Jahren – davon 16 Jahre im Hauptberuf – versuche ich, Ängste bei Lesern vor der Lyrik abzubauen. Die Antwort auf jene Witzfrage „Wie bekomme ich innerhalb von wenigen Minuten einen überfüllten Saal leer?“ – „Ich lasse einen Lyriker lesen“ birgt einen wahren Kern. Die Poeten sind nicht ganz unschuldig daran, dass es in allen anderen künstlerischen Sparten leichter ist, ein Publikum zu gewinnen. Denn bisweilen präsentieren sie sich auf Lesungen so unvorbereitet, abgehoben und langatmig, dass sich viele Zuschauer schwören, nie wieder derartige Veranstaltungen zu besuchen.

Aber glücklicherweise geht es auch anders. Unter Lyrikern gibt und gab es exzellente Vortragskünstler wie Robert Gernhardt, der zu Lebzeiten stets ganze Säle füllte und – mit durchaus bissigen Gedichten – Verkaufsauflagen erzielte, bei denen mancher Prosaist auch heute noch vor Neid erblasst.

Am Samstag, den 31. Januar 2009 werden Matthias Politycki und ich sowie die 25 Kandidatinnen und Kandidaten um den 1. Lyrikpreis „Hochstadter Stier“ versuchen, es Robert Gernhardt gleichzutun und dem Publikum zu zeigen, wie unterhaltsam Poesie sein kann. Da dem Vernehmen nach die Veranstaltung schon heute fast ausgebucht ist, empfiehlt es sich dringend beim Gasthof Schuster die letzten freien Plätze zu reservieren.

Aber vom „Hochstadter Stier“ zurück zur großen Politik. Nun ist Barack Obama der 44. Präsdident der Vereinigten Staten von Amerika und ich bin glücklich darüber, dass jetzt dieser charismatische und intellektuell spritzige Mann an der Spitze jener Nation steht, die so gerne die Führungsrolle in der Welt für sich reklamiert. Dass Obama eine Lyrikerin im Rahmen seiner Amtseinführung auftreten ließ, fasziniert mich naturgemäß als Herausgeber der Zeitschrift DAS GEDICHT.  Meinen Kölner Herausgeberkollegen Axel Kutsch, der zu meinen langjährigsten poetischen Weggefärten zählt,  hat diese Tatsache zu einem Gastkommentar für meinen Blog veranlasst, den ich Ihnen nicht vorenthalten will.

Ich hoffe, wir sehen uns demnächst im Rahmen des „1. Hochstadter Stiers“, grüße Sie bei dieser Gelegenheit herzlich und übergebe jetzt das Wort Axel Kutsch:

„Autorenlesungen finden nicht selten (fast) unter Ausschluß der Öffentlichkeit statt – vor allem dann, wenn Poesie auf dem Programm steht. So waren vor einigen Monaten zu einer Lesung des Welt-Lyrikers Les Murray im Literaturhaus der Millionenstadt Köln nur 60 Zuhörer gekommen. Bei Ulrike Draesners Auftritt einige Wochen später waren es gerade mal 20. Von einem wirklich großen Publikum können Lyriker meistens nur träumen.

Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten,ungeheuren Weiten und gigantischen Bauwerke gehen solche Träume gelegentlich in Erfüllung. Dort dürfen sich Dichter bei Amtseinführungen von Präsidenten für wenige Minuten einer Millionenschar von Zuhörern präsentieren. Über die Qualität ihrer Werke, die sie eigens für diese feierlichen Momente geschrieben haben, breitet man am besten den Mantel des Schweigens aus. Aber immerhin – Lyrik wird nicht zuletzt durch die Fernsehübertragungen in alle Welt zum Großereignis.

Vielleicht erfährt dabei so mancher Dauerkonsument von idiotischen Dschungelcamps und lächerlichen Talentshows sogar, daß es auch nach Goethe noch Leute gibt, die einen Teil ihrer Lebenszeit mit dem Verfassen von Gedichten verbringen.

Der jüngste Mega-Auftritt einer Lyrikerin fand bekanntlich bei der Amtseinführung Barack Obamas statt. Die Auserwählte heißt Elizabeth Alexander, ist eine Freundin des neuen US-Präsidenten und war als Poetin bisher noch wenig bekannt. Ihr biederer ‘Lobgesang auf den Tag’, der immerhin die schöne Zeile ‘Wir tragen jeden unserer Vorfahren auf unseren Zungen’ enthält, bietet ansonsten wenig Anlaß,von einem originellen Poem zu sprechen. Und so kann man sich Durs Grünbeins in der ‘Frankfurter Rundschau’ geäußerter Meinung, daß es ‘ein eher schwaches Amtseinführungs-Gedicht’ und ‘ein braves Stück Alltagslyrik’ gewesen sei, nur anschließen.

Daß man historischen Ereignissen auch mit anderen Versen gerecht werden kann, hat jener Durs Grünbein erst vor kurzem anläßlich des Abrisses eines Bauwerks bewiesen, das einmal zu den Wahrzeichen der DDR gehörte. Bei ‘Welt Online’ konnte man staunend zur Kenntnis nehmen,was er unter dem Titel ‘Ein letztes Gedicht für den Palast der Republik’ mit poetischer Bravour zustande gebracht hat.

Bereits der Einstieg läßt einen fast den Atem anhalten: ‘Es gab mal ein Haus in Berlin, / Dort ging man zum Stasi-Ball hin’. In der nächsten Strophe gerät man dann schon in Atemnot: ‘Es gab mal ein Haus in Berlin, / Da tanzte die Honeckerin’. Und völlig aus dem Häuschen ist man bei Zeilen wie ‘Das Haus aber war ein Palast, / Darin hatte der Stahlwerker Spaß’ oder ‘Der Stil war Baracken-Barock, / Für manch Altgenossen ein Schock’. Bewundernswert auch, wie Grünbein den Glanz des ehemaligen DDR-Prachtbaus mit den folgenden Reimen eingefangen hat: ‘Aus dem Innern erstrahlten satt / Lichter, ein paar zehntausend Watt. / Alt aussehn im Abendverkehr / Ließ den Dom die Vitrine der DDR.’ Und so stolpert unser Groß-Dichter weiter mit tollkühner Rumpel-Lyrik durch die Strophen, dass sich die Verse biegen.

Da kann man Barack Obama fast schon gratulieren, daß seine Amtseinführung von einem braven Stück Alltagslyrik begleitet wurde. Man stelle sich nur vor, Durs Grünbein wäre ein US-Poet und von Obama gebeten worden, seine Premiere als Präsident mit einem Poem zu veredeln. Dann wäre die Welt vielleicht mit einem ‘Ersten Gedicht für den Präsidenten der USA’ und den Eingangszeilen ‘Es gibt ein Haus in Washington, / Dort herrscht ab sofort ein andrer Ton’ beglückt worden.

Nein – beenden wir diese Horrorvorstellung, schlagen einen der frühen Lyrikbände von Durs Grünbein auf und staunen, zu welchen Ausrutschern ein hochbegabter Dichter im nun leicht fortgeschrittenen Alter fähig ist. Was Elizabeth Alexander betrifft, so kennen wir noch zu wenig von ihr. Vielleicht hatsie ja mehr zu bieten als einen biederen Lobgesang.“

Axel Kutsch


DAS GEDICHT Nr. 16: Die zweite Auflage ist in Druck!

17. Januar 2009
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DAS GEDICHT Nr. 16, 2. Auflage (Januar 2009)

 
Liebe Besucherinnen und Besucher,

ich kann Ihnen heute die erfreuliche Mitteilung machen, dass die erste Auflage von DAS GEDICHT Nr. 16 („gefühlter Puls, rezeptfreie Gedichte“) bereits 8 Wochen nach dem Erscheinen vergriffen ist.

 

Die zweite Auflage ist in Druck und erscheint am 30. Januar 2009. Insoweit aktualisiert diese Mitteilung die heutige Meldung von Amazon.de, Das Gedicht Nr. 16 sei derzeit nicht lieferbar und ein neuer Erscheinungstermin stehe noch nicht fest.

 

Selbstverständlich können Sie Ihr Exemplar der Nachauflage direkt bei mir vormerken lassen (die Auslieferung an Sie erfolgt dann automatisch nach Erscheinen, Ende Januar 2009), aber ich hoffe auch, dass Amazon.de sobald wie möglich wieder Vormerkungen von der Ausgabe DAS GEDICHT Nr. 16 (2. Auflage) entgegennimmt.

 

Die Ausgabe stößt nach wie vor auf ein sehr großes Interesse bei den Leserinnen und Lesern sowie in den Medien, zuletzt haben die Süddeutsche Zeitung und die Fersehillustrierte prisma darauf abgehoben.

 

Mit dieser guten Nachricht verabschiede ich mich für heute von Ihnen und wünsche Ihnen ein poetisches Wochenende.

Bis ganz bald, Ihr Anton G. Leitner


70. Geburtstag von Anton und Ingrid Leitner

11. Januar 2009
Anton und Ingrid Leitner

Anton und Ingrid Leitner am 13.12.2008 im Atelier von Boerboom & Vogt (München)

Ganz herzlich möchte ich heute auch im Netz meinen Eltern Anton und Ingrid Leitner zu ihrem 70. Geburtstag gratulieren.

Mein Vater Anton Leitner Senior ist bekanntlich Autor in meinem Verlag, für den er eine Serie von sehr erfolgreichen Lateinlernhilfen (inzwischen über 20.000 verkaufte Exemplare) verfasste . Derzeit arbeitet er intensiv am vierten Band der Reihe Prüfung/Lösung/Übung, der im Frühjahr 2010 erscheinen wird. Er feierte am 20. Dezember 2008 im engsten Familien- und Freudeskreis seinen runden Geburtstag.
Anton Leitner Senior ist studierter Altphilologe und ein außergewöhnliches Sprachtalent. Neben Latein und Altgriechisch beherrscht er  die englische und französische Sprache. Er spricht fließend italienisch und spanisch und verfügt desweiteren über Kenntnisse im Neugriechischen, Türkischen und Russischen. Von 1980 bis 2003 leitete er das von ihm gegründete Carl-Spitzweg-Gymnasium in Unterpfaffenhofen-Germering. Die Schule wurde überregional bekannt, weil der persönliche Führungsstil meines Vaters von einem menschlich-liberalen Umgang mit Eltern und Schülern geprägt war, die für ihn stets im Zentrum des Lehrbetriebs standen.

Meine Mutter Ingrid Leitner feiert am morgigen 12. Januar 2009 ihren 70. Geburtstag. Sie verwandte große Geduld, insbesondere auf meine musische Erziehung, und ihr habe ich es wohl entscheidend mit zu verdanken, dass ich meine vielfältigen Ideen auf denjenigen Bereich konzentrieren konnte, den ich vermutlich am besten beherrsche: Die deutsche Sprache. Wie oft hat sie mir als Schüler und Student den Rücken freigehalten!

Ich sage meiner Mutter und meinem Vater ganz herzlich „danke“ und betrachte es als besonderes Glück, in diesem Elternhaus aufgewachsen zu sein. Zum Doppeljubiläum habe ich meinen Eltern ein Gedicht aus dem Nachlass von Rainer Maria Rilke ausgesucht, das mir gerade zu diesem Anlass sehr passend erscheint:

SPAZIERGANG

Schon ist mein Blick am Hügel, dem besonnten,
dem Wege, den ich kaum begann, voran.
So faßt uns das, was wir nicht fassen konnten,
voller Erscheinung, aus der Ferne an -

und wandelt uns, auch wenn wirs nicht erreichen,
in jenes, das wir, kaum es ahnend, sind;
ein Zeichen weht, erwidernd unserm Zeichen …
Wir aber spüren nur den Gegenwind.

Rainer Maria Rilke


Der Glaspokal „1. Hochstadter Stier“ ist in Weßling/Hochstadt eingetroffen

10. Januar 2009
Anton G. Leitner mit dem inzwischen bemalten Glaskunstobjekt "1. Hochstadter Stier" am 9. Januar 2009 im Gasthof Schuster (Hochstadt)

Anton G. Leitner mit dem inzwischen bemalten Glaskunstobjekt "1. Hochstadter Stier" am 9. Januar 2009 im Gasthof Schuster (Hochstadt)


1. Lyrikpreis „Hochstadter Stier“

10. Januar 2009

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Öffentliche Lesung mit Matthias Politycki und Anton G. Leitner.
25 Kandidaten aus Deutschland, Österreich, Spanien, Kanada und der Schweiz präsentieren Liebespoesie in jeder Beziehung.

Literaturfestbuffet mit Publikumsabstimmung und Preisverleihung. Samstag, 31. Januar 2009, 19:30 Uhr
Gasthof Schuster, (Am Drössel 5, 82234 Weßling/Hochstadt)

Eintritt (inklusive Buffet): € 16,-
Kartenreservierungen im Gasthof Schuster unter Telefon 08153/3641.

Der Lyrikpreis

Seit 1998 veranstaltet die Zeitschrift DAS GEDICHT in Zusammenarbeit mit dem Gasthof Schuster regelmäßig Lyrik-Tagungen. Gäste aus aller Welt treffen prominente Dichter zu internen Lektoratsgesprächen. Im Rahmen dieser Veranstaltungsreihe wird am 31. Januar 2009 erstmals der Lyrikpreis „Hochstadter Stier“ verliehen. Sein Stifter, Michael Schuster (Gasthof Schuster), ließ den Stier eigens von der Künstlerin Rosemarie Zacher entwerfen und auf ein Glaskunstobjekt aus der berühmten Kristallglasmanufaktur Theresienthal malen.

Die Mentoren
Der Hamburger Schriftsteller Matthias Politycki (*1955) zählt zu den renommiertesten deutschen Autoren der Gegenwart. Mit Romanen wie „Herr der Hörner“, „Weiberroman“ und zuletzt „In 180 Tagen um die Welt“ sorgte er für Furore. „Ich bin von einem Entzücken ins andre geraten“, schwärmte Dichter-Ikone Peter Rühmkorf nach der Lektüre von Polityckis Gedichtband „Ratschlag zum Verzehr der Seidenraupe“ (Hoffmann und Campe).

Der Weßlinger Autor Anton G. Leitner (*1961) gibt seit 1993 die viel beachtete Zeitschrift DAS GEDICHT heraus. Sein Lyrikband „Im Glas tickt der Sand“ versammelt Poesie aus 25 Jahren. Bei Eichborn erschien Leitners CD-Projekt „Herzenspoesie“ (mit Anna Thalbach und Musik von Martin Finsterlin). Bislang edierte er über 30 Anthologien, zuletzt „Gedichte für Nachtmenschen“ (dtv) und gilt heute als „der deutsche Lyrikpapst“ (Deutsche Welle).

Im literarischen Schaffen von Matthias Politycki und Anton G. Leitner spielt Erotik eine zentrale Rolle. Als Paten des 1. Lyrikwettbewerbs „Hochstadter Stier“ servieren sie einen köstlichen Aperitif mit prickelnder Liebeslyrik aus eigener Produktion.

Die Kandidaten
25 Autorinnen und Autoren aus 5 Ländern bewerben sich um den 1. Lyrikpreis „Hochstadter Stier“, gestiftet von Michael Schuster (Gasthof Schuster, Hochstadt).

Poesie in jeder Beziehung lesen
Claudia Angerer (A-Mils),
Melanie Arzenheimer (Eichstätt),
Manfred Enderle (Leipheim-Riedheim),
Josef Hader (A-Naarn),
Joachim Harms (Düsseldorf),
Alexandra Carina Hobbold (Nettetal),
Eva Höcherl (Pliening),
Adi Hübel (Ulm),
Bodo Kirchner (A-Salzburg),
Manfred Moewes (Reichshof-Heienbach),
Frank Norten (E-Sant Josep),
Eva Philipp (CH-Wittenbach),
Uta Regoli (Kanada-Sherbrooke/Québec),
Gabriele Reisenthel (Schondorf),
Konstanze Reupsch (Golm),
Franziska Röchter (Verl),
Johanna Rösch-Moser (Schondorf),
Ferdinand Scholz (Düsseldorf),
Renate Schön (Augsburg),
Iris Schwaneberger (Neubrandenburg),
Barbara Seeberg (Gauting),
Dittmar Werner (Groß-Gerau),
Babette Werth (Berlin),
Helmund Wiese (Gummersbach),
Barbara Zeizinger (Alsbach-Hähnlein)

Das Spektrum der vorgetragen Gedichte reicht von Freundschaft, Liebe über Eifersucht und Hass bis hin zur Versöhnung und spiegelt den Facettenreichtum zwischenmenschlicher Beziehungen wider.