Gute Poesie ist Grundnahrungsmittel

18. Januar 2008

Liebe Besucherinnen und Besucher,

unser großes Fest naht und ich bin inzwischen ein wenig erschöpft von den anstrengenden Vorbereitungsarbeiten. 50 bekannte Dichter „unter einen Hut zu bekommen“, ist keine leichte, aber dafür eine umso spannendere Aufgabe. Das öffentliche Interesse an unserer Mega-Nacht der Liebespoesie ist sehr groß. Eine Besprechung jagt die andere.

Ich führe in diesen Tagen viele Gespräche mit Journalisten, die über den 15. Geburtstag unserer Zeitschrift DAS GEDICHT berichten möchten. Dabei werde ich immer wieder gefragt, was ich mir nach 15 Jahren Herausgeberschaft eines erfolgreichen Lyrikmagazins wünsche. Nun, mein Wunsch war es von Anfang an, den praktischen Beweis dafür zu erbringen, dass gute Poesie keine verschwurbelte „Fachsprache“ für abgehobene Spezialisten ist, sondern ein geistiges Grundnahrungsmittel für wirklich jeden Menschen. Denn als Wechselspiel von Logik und Gefühl bringt die Sprache auf den Punkt, eröffnet mit oft sehr wenigen Worten einen ganzen Kosmos, ist nicht selten dialogisch, nah am Lied und deshalb besonders gut memorierbar. Die besten Verse nisten sich ohnehin lebenslang im Gedächtnis ein und führen ein kreatives Eigenleben im Kopf.

Insgesamt wünsche ich mir, dass Deutschland wieder mehr an seine Tradition als Land der „Dichter und Denker“ anknüpft. Denn Gedichte, die sich meist vollkommen einer materiellen Bewertung verweigern, können mit geradezu verschwenderischer Leichtigkeit „einen Tag retten“, wie es der große argentinische Dichter Roberto Juarroz einmal formuliert hat. Viele gute Gedichte, das ist meine feste Überzeugung, können sogar ein ganzes Leben retten, mindestens aber bereichern – und Kleinkrämerei, Geiz und der unmenschlichen Durchökonomisierung subtil und subversiv entgegenwirken.

Heute hat mir dtv ein Vorabexemplar meiner im Februar erscheinenden Gedichtsammlung „Zu mir oder zu dir? Verse für Verliebte“ geschickt, die – im Sonderformat des Kultbändchens „SMS-Lyrik“ - wiederum in der Reihe Hanser erscheint (Februar 2008) und sich an Leserinnen und Leser ab 14 Jahre wendet. Diese Anthologie präsentiert eine Fülle von kurzen Gedichten, die allesamt zeigen, dass es möglich ist, komplexe Lebenssachverhalte mit einfachen Worten kunstvoll auszudrücken. Gedichte, die kein Germanistikstudium erfordern, um sie zu begreifen, aber uns mit ihrem Sprachfluss, ihrer Melodik, sofort ergreifen, wie bereits der erste lyrische Text im Buch, das „Vorspiel“ von Peter Maiwald:

„Das Lieben macht schön.
Das Lieben macht klug.
Es braucht sehr wenig.
Zwei sind genug.

Das Lieben macht krank.
Das Lieben macht matt.
Es braucht sehr wenig.
Weh, wer es hat.“

Mit diesem poetischen Vorspiel über „Das Lieben“ und Leben verabschiede ich mich heute von Ihnen und würde mich freuen, Sie am 22. Januar 2008 um 19 Uhr im Literaturhaus München begrüßen zu dürfen – ein Abend, bei dem mit Sicherheit keine Langeweile aufkommen wird, denn sie ist der größte Feind der Literatur.

Mit herzlichen poetischen Grüßen
und bis bald,

Ihr Anton G. Leitner


Ich bin dein Nest du bist mein Fest: Ein Abend der poetischen Lust zum 15. Geburtstag der Zeitschrift DAS GEDICHT

14. Januar 2008

Sehr geehrte Damen und Herren,

„Literaturzeitschriften und Gedichtverlage, das ist bekannt, haben eine Lebensdauer von höchstens fünf Jahren. Dann ist Schluss. Dass der Verlag des Weßlinger Verlegers und Autors Anton G. Leitner (DAS GEDICHT) in diesem Jahr sein 15-jähriges Bestehen feiern kann, gleicht praktisch einem kleinen Wunder. Und Wunder müssen groß begangen werden“, schreibt dieser Tage eine Tageszeitung und eigentlich kann ich diesen Worten kaum mehr etwas hinzufügen.

Über meine Überlebensstrategien der vergangenen 15 Jahre könnte ich ein eigenes Buch schreiben und eines Tages werde ich dies bestimmt auch tun. Denn was es heißt, DAS GEDICHT bis heute aus eigener Kraft, also ohne Förderungen oder Subventionen, am Leben zu erhalten, kann sich eigentlich nur der engste Kreis derjenigen vorstellen, die mich wacker auf meiner Abenteuerreise im Zeitalter der Buchhandelskonzentration begleiten.

Ohne Zweifel habe ich die bislang intensivsten Jahre meines Lebens als Herausgeber, Autor und Verleger dieses Organs erlebt. Hans Bender und Walter Höllerer, die Gründungsherausgeber von Akzente, warnten mich seinerzeit: Jede Zeitschrift werde früher oder später ihre Ernährer auffressen. Heute weiß ich, was sie mir sagen wollten und wie viel Kraft und Geld so ein Unternehmen kostet.

Trotzdem bleibt es für mich ein beglückendes Abenteuer, DAS GEDICHT bis heute edieren zu dürfen. Ich betrachte es als großes Geschenk, dass 50 bekannte Dichter aus dem ganzen deutschen Sprachraum anreisen, um im Literaturhaus München unsere Zeitschrift mit einer Jubiläumslesung zu feiern. Eine Lesung von Liebeslyrikern in dieser Dimension hat es bislang noch nicht gegeben. Selbst die Buchmessen in Leipzig oder Frankfurt täten sich schwer, einen solchen Dichter-CHOR an einem Ort zu versammeln.

Das Programm des Abends wurde von uns so strukturiert, dass die Lesungen 2 mal 45 Minuten dauern und anschließend noch genügend Zeit bleibt, sich mit mir und allen anderen Dichtern beim Empfang (neudeutsch: „After-Show-Party“) persönlich auszutauschen. Inzwischen haben weitere Lyriker aus ganz Europa ihr Kommen zugesagt, so dass sich am 22. Januar 2008 an der Isar so viele Poeten treffen werden, wie selten oder nie zuvor.

Da bis jetzt schon 200 Karten vorverkauft sind, empfehle ich Ihnen dringend, im Literaturhaus München unter der Telefon-Nummer 089/291934-27 Karten zu reservieren oder die Karten im Restaurant OskarMaria (im Literaturhaus) vorab zu erwerben.

Ich würde mich sehr freuen, am 22. Januar in München mit Ihnen auf weitere 15 GEDICHT-Jahre anzustoßen.

Herzliche Grüße aus Weßling
und bis bald,

Ihr

Anton G. Leitner

 

Presseerklärung:

Ich bin dein Nest du bist mein Fest

Ein Abend der poetischen Lust
zum 15. Geburtstag der Zeitschrift DAS GEDICHT

Dienstag, 22.1.2008, 19:00 Uhr
Literaturhaus München, Saal
Eintritt: € 10.- / € 8.- (inkl. 1 Getränk und 1 Snack)
Kartenreservierungen im Literaturhaus: Telefon 089 / 29 19 34-27

Veranstalter: Anton G. Leitner Verlag DAS GEDICHT,
Kulturreferat der Landeshauptstadt München,
Stiftung Literaturhaus

Moderation: Sabine Zaplin (BR), Andreas Ostermeier (SZ)

Die von Anton G. Leitner 1993 in Weßling bei München gegründete Zeitschrift DAS GEDICHT hat sich innerhalb weniger Jahre „zur bedeutendsten Lyrikzeitschrift in Deutschland“ (BR) entwickelt.

Zum 15. Geburtstag des Magazins lädt der GEDICHT-Herausgeber zu einem Abend der poetischen Lust ein. 50 Autoren der Jubiläumsausgabe aus Deutschland, Luxemburg, Österreich und der Schweiz tragen Liebespoesie vor – dabei reicht der Gedichtreigen von jungen Slam-Poeten wie Lydia Daher (Augsburg) und Alex Dreppec (Darmstadt) bis hin zu erfahrenen Meisterlyrikern wie Said (München). Als Vorspiel rezitiert der Münchner Altphilologe Professor Niklas Holzberg sinnliche Liebesdichtung der Antike.

Außerdem mit dabei: Friedrich Ani (München), Markus Bundi (CH-Baden), Manfred Chobot (Wien), Tanja Dückers (Berlin), Nora-Eugenie Gomringer (Bamberg), Jean Krier (Luxemburg), Fitzgerald Kusz (Nürnberg), Alexander Nitzberg (Düsseldorf), Matthias Politycki (Hamburg), Arne Rautenberg (Kiel) und viele andere.

Im Anschluss bitten die Veranstalter zu einem kleinen Empfang.