Minen, Arbeiter
Wort
Adern
Frei
Legen
Silbe um
Silber.
Anton G. Leitner
Anton G. Leitner
Die Wahrheit über Uncle Spam
und andere Enthüllungsgedichte
Daedalus Verlag, 2011
Minen, Arbeiter
Wort
Adern
Frei
Legen
Silbe um
Silber.
Anton G. Leitner
Anton G. Leitner
Die Wahrheit über Uncle Spam
und andere Enthüllungsgedichte
Daedalus Verlag, 2011
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Besucherinnen und Besucher,
kaum zu glauben, aber wahr: Unsere buchstarke Jahresschrift DAS GEDICHT feiert im Herbst 2012 ihren 20. Geburtstag!
Bereits seit Januar 2012 arbeite ich zusammen mit meinem diesjährigen Co-Editor, dem Hamburger Schriftsteller Matthias Politycki, an der Vorbereitung der opulenten Jubiläumsausgabe (DAS GEDICHT Bd. 20), die im Laufe des Septembers 2012 erscheinen wird. Gleichzeitig unterstützt mich mein Team hier im Verlag tatkräftig dabei, ein Gesamtregister aller bisherigen GEDICHT-Folgen zu erstellen und die beiden großen Jubiläumsveranstaltungen zu planen, die im Oktober in München und im November in Wien stattfinden.
Während wir alle schon fast ein halbes Jahr lang hinter den Kulissen nahezu rund um die Uhr damit beschäftigt sind, für einen wirklich heißen GEDICHT-Herbst zu sorgen, präsentieren wir Ihnen ab dem heutigen Mittwoch, den 30. Mai 2012, die ersten Früchte all unserer bisherigen Geburtstags-Aktivitäten: Unter www.dasgedichtblog.de ist nämlich vor einigen Stunden unser Internettagebuch (d. h. „Blog“) online gegangen. Diese neue Internetseite ergänzt fortan unsere ohnehin schon reichhaltigen Angebote im weltweiten Netz. Sie eröffnet ein Forum, auf dem wir täglich darüber berichten können, was wir in diesem Jahr noch alles zu tun gedenken, um DAS GEDICHT und all jene vorzustellen, die maßgeblich dazu beitragen, dieses spannende Projekt nun schon zwei Jahrzehnte lang mit kreativen Ideen pulsieren zu lassen.
Ich lade Sie herzlich ein, diese neue Internetseite fortan regelmäßig zu besuchen, an unseren Umfragen, etwa zum aktuellen Lyrik-Leseverhalten im deutschen Sprachraum, teilzunehmen und Ihre Meinung über die Kommentarfunktion ins Berichtete mit einzubringen. Außerdem können Sie versuchen, unser Gewinnspiel als Möglichkeit zu nutzen, um zum „Internationalen Gipfeltreffen der Poesie: 20 Jahre DAS GEDICHT“ am 23. Oktober 2012 im Literaturhaus München auf unsere Kosten anzureisen.
Wir stellen Ihnen nach und nach alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Poesiegipfels vor – dem übrigens eine 90-minütige Fernsehsendung gewidmet wird –, präsentieren neue Gedichte (Erstveröffentlichungen), Statements zur Lage und Zukunft der Poesie, Videoclips, Audio-Podcasts, Gedicht-Illustrationen und ganze Fotostrecken. Kurzum, wir werden alles daran setzen, diese Seiten zu einer multimedialen lyrischen Informationsquelle werden zu lassen, die DAS GEDICHT im Jubiläumsjahr (und darüber hinaus) würdig flankiert. …
Eine Zeitschrift wie DAS GEDICHT lebt von ihren Leserinnen und Lesern, weshalb ich mich ganz, ganz herzlich bei unseren treuen Abonnentinnen und Abonnenten bedanke. Mein besonderer Wunsch ist es, im 20. Geburtstagsjahr die Familie der GEDICHT-Abonnentinnen und Abonnenten deutlich zu vergrößern, um die Zeitschrift zukunftsfähig zu halten. „Gratulieren durch Abonnieren“ lautet deshalb mein Motto für 2012, und falls Sie DAS GEDICHT nicht schon regelmäßig beziehen, wäre es wunderbar, wenn Sie sich jetzt dafür entscheiden würden.
Schön wäre es auch, wenn Sie mit einem Link auf www.dasgedichtblog.de hinweisen oder die Seite auf eine andere Art weiterempfehlen könnten.
Ich fasse Ihnen nachfolgend alle wichtigen Termine, die meine Arbeit in diesem Jahr betreffen, zusammen und heiße Sie ganz herzlich willkommen auf www.dasgedichtblog.de!
Mit den besten Grüßen aus Weßling,
verbleibe ich für heute
Ihr Anton G. Leitner
30.05.2012
GEDICHT-Jubiläumsblog www.dasgedichtblog.de geht online
GEDICHT-lyrik-tv-Kanal www.dasgedichtclip.de verzeichnet den 100.000 Videoaufruf
01.06.2012
Ois is easy! Von der Poesie des frühen Sommers – Gedichte und Flamenco zur Ausstellung „Sommerfrische“ (Schloßmuseum Murnau)
14.06.2012 bis 16.06.2012
Tage der Poesie in Sachsen im Erzgebirge (Teilnehmer als Mitglied der Delegation aus Bayern)
31.07.2012 und 04.08.2012
Fünf-Seen-Filmfestival 2012 (zwei Abende der Veranstaltungsreihe „Gedicht und Film“)
September 2012
Erscheinen der Jubiläumsausgabe DAS GEDICHT – „Das Beste aus 20 Jahren … und für die nächsten 20 Jahre“ (Herausgegeben mit Matthias Politycki)
23.10.2012
Künstlerische Leitung des „Internationalen Gipfeltreffens der Poesie: 20 Jahre DAS GEDICHT“ im Literaturhaus München mit 55 Dichtern aus dem ganzen deutschen Sprachraum (Aufgezeichnet durch den BR; geplant ist eine 90-minütige Fernsehdokumentation)
30.10.2012
Fest zur Aufnahme in die Karl-Valentin-Gesellschaft (KVG) im Vereinsheim (München-Schwabing) zusammen mit Friedrich Ani, Michael Sailer und Till Hofmann
20.11.2012
„Endlich Realpoesie!“ – zwei Jahrzehnte ohne Angst vor Lyrik.
Lesung und Podiumsdiskussion zum 20. Geburtstag der Zeitschrift DAS GEDICHT
Gemeinschaftsveranstaltung Alte Schmiede Kunstverein Wien / Hauptbücherei Wien
November 2012
Erscheinen der dtv-Weihnachtsanthologie 2012: „Weihnachtsgedichte“ (Herausgegeben mit Gabriele Trinckler)
24.01.2013 bis 26.01.2013
5. Hochstadter Stier – Lyrikwettbewerb zusammen mit Michael Augustin (Radio Bremen, Co-Direktor des Internationalen Literaturfestivals Bremen „Poetry on the Road“) in Kooperation mit dem Gasthof Schuster, Weßling (Hochstadt)
Hintergrundinformationen zur Person:
BR-alpha-Forum: Anton G. Leitner im Gespräch mit Dieter Lehner (Interview im Wortlaut auch als PDF-Download)
Liebe Besucherinnen und Besucher,
heute möchte ich Sie auf eine Veranstaltung von mir im Schlossmuseum Murnau aufmerksam machen, auf die ich mich schon sehr freue. Ich trete dort zusammen mit dem Gitarristen Axel Gottwald auf. Das Museum hat uns beide eingeladen, seine aktuelle Ausstellung “Endlich Ferien! Von Sommerfrische und Müßiggang” (bis 1. Juli 2012) mit luftiger Poesie und feurigen Flamencoklängen zu begleiten. Das tun wir liebend gerne.
Alle Daten entnehmen Sie bitte gleich dem offiziellen Ankündigungstext des Museums:
Anton G. Leitner (Gedichte) / Axel Gottwald (Gitarre)
Ois is easy! Von der Poesie des frühen Sommers
Gedichte und Flamenco
Termin: Freitag, 1. Juni 2012, 19:00 Uhr
Schloßmuseum Murnau (Schloßhof 4-5, 82418 Murnau,
www.schlossmuseum-murnau.de)
Anton G. Leitners Leben kreist um die Poesie. Seit über drei Jahrzehnten veröffentlicht er als Schriftsteller, Herausgeber und Verleger Gedichte. Mehr als 30 Sammlungen und Hörbücher publizierte er bislang bei dtv / Hanser, Reclam und in vielen anderen Premium-Verlagen, sowie in Funk- und Fernsehen. DAS GEDICHT, seine „einzigartige Publikumszeitschrift für Lyrik“ (Deutsche Welle) feiert im Herbst 2012 den 20. Geburtstag. Der „Münchner Merkur“ ernannte den unermüdlichen Poesievermittler zum „Deutschen Lyrikpapst“, die Süddeutsche Zeitung empfahl seinen jüngsten Gedichtband „Die Wahrheit über Uncle Spam“ als eines der besten Bücher aus und über Bayern im Jahr 2011.
Leitners satirische Verse über Gott und die Welt, über Bayern und die Sommerliebe begleitet der Gitarrist Axel Gottwald mit leidenschaftlichen Flamenco-Variationen.
Weitere Informationen zu den Künstlern im Internet: www.AntonLeitner.de, www.dasgedicht.de, www.dasgedichtclip.de sowie www.axelgottwaldmusic.de
Der Eintritt beträgt € 5.-
Liebe Besucherinnen und Besucher,
nach dem riesigen Erfolg mit “Hader & Hader” am vergangenen Sonntag auf der Bühne des “Hochstadter Stiers” im Gasthof Schuster darf ich Sie dieses Mal nach Seefeld einladen. Am Freitag, 27.4.2012 (Beginn 20.30 Uhr), geht unsere Veranstaltungsreihe “Gedicht und Film” in eine neue Runde: Auf dem Programm stehen dieses Mal Verse vom Frühling und von der Liebe, die das Vorspiel zu Louis Malles Filmklassiker „Komödie im Mai“ bilden. Zusammen mit der Pasinger Autorin Gabriele Trinckler und meinem Turmschreiberkollegen Wolfgang Oppler werden wir als kurzes Live-Intermezzo unseren Frühlingsgefühlen in Versen freien Lauf lassen. Die Veranstaltung findet in der Lounge des Kino Breitwand im Schloß Seefeld statt, der Eintrittspreis beträgt € 12,- / € 8,- (ermäßigt). Ich würde mich freuen, sie in entspannter Sofa-Atmosphäre willkommen zu heißen. Weitere Informationen finden Sie in der Ankündigung!
Die Reihe „Gedicht und Film“ ist ein Gemeinschaftsprojekt der Breitwand Kinos (www.breitwand.com) und der Zeitschrift DAS GEDICHT (www.dasgedicht.de), mit freundlicher Unterstützung des Landratsamts Starnberg.
Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Besucherinnen und Besucher,
in der aktuellen Diskussion um Multipreisträger im deutschen Lyrikbetrieb anlässlich der Verleihung des Joachim-Ringelnatz-Preises der Stadt Cuxhaven an die Autorin und Direktorin des Bamberger Künstlerhauses Villa Concordia, Nora Gomringer, meldet sich jetzt auch Ralph Grüneberger, der Vorsitzende der Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik e.V., in einem Gastkommentar zu Wort. Hintergrundinformationen zu dem gemeinsamen Versuch von Herausgeber Axel Kutsch, Verleger Ralf Liebe und mir, künftig mehr Verteilunsgerechtigkeit bei Preisvergaben einzufordern, finden Sie etwa bei Deutschlandradio Kultur oder der Rheinischen Post Online.
Wie wäre es jeweils mit den 12.?
Ein Gastbeitrag von Ralph Grüneberger zum Preiskarussell im deutschen Lyrikbetrieb
Ein jeder gerät sofort in den grellen Scheinwerfer der Verdächtigung, neidisch oder missgünstig zu sein, wenn er sich laut über den engen Zirkel des Preiskarussells mokiert. Dabei ist für jeden deutlich zu sehen, wer da auf dem Jahrmarkt der Eitelkeiten wieder und wieder in die Höhe gehoben wird. Und wenn sich das Karussell zu schnell dreht, sieht man als nicht vom Fahrbetrieb Bedachter ohnehin nur noch die immergleichen Gesichter.
Wichtiger ist deshalb, dass die Preisträger, wenn sie mehr oder minder schwindelig ihren Karussellsitz verlassen, rasch wieder festen Boden unter den Füßen spüren und der Gattung Lyrik wirklich nützen wollen.
Mir schwebt schon längere Zeit vor, dass die Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik, die im Gegensatz zum Münchner Lyrik-Kabinett über kein Stiftungskapital verfügt, das Schreiben von Rezensionen und Essays zur Lyrik fördert und Literaturkritikern (m/w), die sich eben diesem Genre verschrieben haben, über einen gewissen Zeitraum einen kostenfreien Aufenthalt in Leipzig finanziert und dies mit der lockeren Auflage verbindet, sich im Bestand der LEIPZIGER LYRIKBIBLIOTHEK tätig umzusehen. Im Laufe der Zeit könnte so eine vielseitige Aufsatzsammlung entstehen. Veröffentlichungen im Netz und in Literaturzeitschriften könnten diese vorab publik machen.
Nur eben ein solcher Preis hat seinen Preis. Aber wenn ich ins Träumen gerate und mir vorstelle, all diese Branchenprimusse und Mehrfachpreisträgerinnen würden den 12. Teil ihres Zusatzverdienstes abgeben, ließe sich eine Grundlage für das Ausloben eines solchen Preises, der in der hiesigen Preislandschaft seines Gleichen suchen würde, relativ rasch bilden. Warum soll nicht eine gut bezahlte Professorin oder ein doppelverdienender Verlagsleiter oder die festangestellte Direktorin eines Künstlerhauses den 12. Teil seines/ihres Preisgeldes für solch ein Unternehmen spenden, was zudem noch steuerlich absetzbar wäre?
Ja, das sind hochfliegende Träume, die mit der Realität nur wenig zu tun haben. Denn Tatsache ist, dass viele der erfolgreichen und mehrheitlich jungen und jüngeren Autoren (m/w) jene, die sich in ihrer Freizeit dem Sammeln und Verbreiten von zeitgenössischer Lyrik widmen, rasch als Vereinsmeier abtun. Als Honorar- und Publikumsbeschaffer halten sie solche Körperschaften wie Literatur- bzw. Autorenvereine gerade noch für zumutbar. Aber Mitglied werden und mit einem (geringen) Beitrag einen solchen Gemeinnutz regelmäßigen zu unterstützen, das steht meist außerhalb ihres nicht selten elitären und stylischen Blickfelds. Aber vielleicht irre ich mich hier und muss mich korrigieren.
Ralph Grüneberger,
Leipzig im April 2012
Der Lyriker und Herausgeber Ralph Grüneberger ist seit mehr als 15 Jahren Vorsitzender der 1992 unter der Schirmherrschaft von Karl Krolow in Tübingen gegründeten Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik e.V. mit Sitz in Leipzig
Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde,
am Sonntag, den 15. April gastiere ich bereits zum dritten Mal in der „Schwabinger Schaumschläger Show“ im Münchner Vereinsheim und werde voraussichtlich unter dem Motto “Ois is easy” deftige weiß-blaue Dorfgeschichten und Gedichte präsentieren, die eigentlich nur das Leben schreiben kann.
Ich bin im Schwabinger “Vereinsheim” wieder in bester Gesellschaft. Mit von der Partie sind der österreichische Kabarettist Ludwig Müller, der Künstler und Schriftsteller Thomas Glatz sowie der Musiker Stefan Noelle. Die Show moderiert dieses Mal Gastgeber Michael Sailer solo.
Schwabinger Schaumschläger Show
Vereinsheim, Occamstraße 8, 80802 München
Sonntag, 15. April 2011, 19.30 Uhr (Einlass ab 18 Uhr)
Eintritt: € 7,-
P.S. Weil die “Schwabinger Schaumschläger Show” gerne sehr gut besucht wird, wäre es ggf. sinnvoll, Karten vorab zu reservieren. Karten für die Veranstaltung am 15.4. können Sie hier online reservieren.
Vielleicht sehen wir uns ja am Sonntag in Schwabing? Mich tät’s jedenfalls freuen!
Mit herzlichen Grüßen aus Weßling,
Ihr Anton G. Leitner
Liebe Leserinnen und Leser,
eigentlich würde ich mich jetzt schon viel lieber geistig auf den morgigen Ostersonntag einstimmen, aber die Diskussion um das Kein-Gedicht „Was gesagt werden muss“ von Günter Grass treibt mich weiter um, insbesondere weil er heute in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung (geführt von Heribert Prantl, der das Ressort Innenpolitik der SZ leitet) einen interessanten poetologischen Satz von sich gab, den ich selbst immer wieder, u. a. in diversen Editorials der Zeitschrift DAS GEDICHT, so oder in ähnlicher Weise geäußert habe: „Lyrik bietet die Möglichkeit, einen komplizierten Sachverhalt auf den Punkt zu bringen. Sie zwingt zu einer Konzentration …“ (O-Ton Grass, vgl. SZ vom 7./8./9. April 2012).
Übrigens hat Grass selbst einmal in einem Brief an DAS GEDICHT (vgl. Ausgabe 5 vom Oktober 1997, S. 87) über die Funktion der Lyrik in seinem Werk geschrieben. Bei ihm sei es „im Laufe der Jahrzehnte bei Gelegenheitsgedichten“ geblieben, „wenngleich bei sich immerfort wandelnder Gelegenheit“. Nach „drei selbständig veröffentlichten Gedichtbänden sind späterhin Gedichte in versammelter Zahl in episch konzipierten Romanen einverleibt worden – etwa in ‚Der Butt’ und ‚Die Rättin’“. „Nichts ungewöhliches“, so Grass weiter in DAS GEDICHT, denn „schon die Barockautoren und Romantiker haben den nur künstlich konstruierten Gegensatz zwischen Prosa und Lyrik auf diese Weise aufgehoben“. Seine „Kurzgedichte“, so Grass damals, seien „gleichermaßen von barocken Lyrikern wie Czepko, Logau, Silesius und vom japanischen Haiku angeregt worden“.
All diese poetologischen Ausführungen und Gedanken von Grass liefern gute Ansatzpunkte in der jetzigen Diskussion um sein jüngstes Werk: Grass sieht einen künstlich konstruierten Gegensatz zwischen Prosa und Lyrik, also die Gattungsgrenzen fließend. Und (guten) Gedichten, da stimme ich ihm voll und ganz zu, gelingt es immer wieder, einen komplexen oder komplizierten Sachverhalt – mit ggf. sogar einfachen Worten – auf den Punkt zu bringen. Dass Gedichte begrifflich nicht vom „verdichten“ abzuleiten sind, sondern vom lateinischen dicere (sprechen / sagen) und deshalb nicht nur die Sprachkonzentration oder -verdichtung, sondern insbesondere Sprachfluss, Klang, Rhythmus und Metrik in der Poesie eine wesentliche Rolle spielen, weiß auch Grass, der heute im SZ-Interview sein jüngstes „Gedicht“ als „rhytmisierte Prosa, die in Gedichtform gebracht wurde“ bezeichnet. Die Behauptung, es handle sich um kein Gedicht, erspare Kritikern seiner Ansicht nach die Auseinandersetzung mit den Fakten und Tatsachen des Gedichts.
Grass schränkt in dem Interview Pauschalisierungen des umstrittenen Textes ein, bessert nach, statt „Israel“ seien der israelische „Premier Netanjahu, sein Verteidigungs- und sein Außenminister” gemeint. Die jetzt bei ihm unter öffentlichem Druck einsetzende Präzisierungs- und Nachbesserungsphase hätte vor der Veröffentlichung des Textes einsetzen sollen, denn Genauigkeit im Detail (statt Pauschalisierung) trägt – neben den anderen bereits erwähnten Faktoren – entscheidend zum Gelingen eines Gedichts und seiner Ankunft beim Adressaten bei.
Im Gespräch mit Heribert Prantl erwähnt Günter Grass am Rande, dass die Hamburger Wochenzeitung Die Zeit den Abdruck einer früheren Fassung seines Gedichts abgelehnt habe, was für die dortige Literaturredaktion und deren Qualitätsmaßstäbe spricht.
In einem neuerlichen Kommentar zur Diskussion um den jüngsten Grass-Text geht SZ-Feuilletonredakteur Thomas Steinfeld ein weiteres Mal auf Distanz dazu, es handle sich dabei um den „in holpernde Verse und willkürlich gesetzte Strophen gekleideten Aufschrei einer zumindest scheinbar gequälten Seele, die Gehör und Anerkennung einfordert“, schließlich billigt er aber Grass noch zu, dass er „vielleicht über persönliche Eitelkeiten hinaus, an den Zauber der Poesie“ glaube.
Vielleicht trifft Steinfeld, der sich, wie zu vermuten ist, als zuständiger Redakteur vorher für den Abdruck des „Gedichts“ in der Süddeutschen Zeitung eingesetzt hatte, damit aber den wirklichen Kern des Problems: Nämlich dass für den alternden Nobelpreisträger Grass bei der Publikation des Textes auch Eitelkeit und der Wunsch, sich mit Macht zurück ins öffentliche Bewusstsein zu bringen, keine geringe Rolle gespielt haben dürften. Und das Kalkül scheint in dieser Hinsicht aufgegangen zu sein, denn die Werke von Grass haben etwa beim Internetbuchhändler Amazon derzeit blendende Verkaufsränge.
Für mich jedenfalls bleibt bei dieser vorösterlichen Affäre ein bitterer Nachgeschmack. Die Lyrik, soviel scheint sicher, hat nicht gewonnen bei diesem Medienspektakel. Denn während seit Tagen ein schlechtes und höchst peinliches Gedicht bzw. Kein-Gedicht in der öffentlichen Diskussion steht, bleiben viele gelungene Gedichte von wirklichen Lyrikern im Halbschatten der Feuilletons. Ich kann mich nämlich nicht daran erinnern, dass die Süddeutsche Zeitung in ihrer Messebeilage zur Leipziger Buchmesse einen einzigen Gedichtband vorgestellt hätte. Ich sage es noch einmal: Wenn der Feuilleton-Redaktion der SZ wirklich etwas an der Poesie liegt, soll sie wieder Gedichte drucken, und zwar solche, die den Namen „Gedicht“ verdienen. Viele SZ-Leser werden es der Redaktion danken.
Und auch das soll hier klar und deutlich gesagt werden: Ich persönlich kenne keinen Lyrikerkollegen, der etwa die Siedlungspolitik Israels begrüßen, einen Präventivkrieg Israels billigen würde, oder sich über die Lieferung von deutschen U-Booten in eine Krisenregion freut. Genauso wenig, wie sich Lyriker hierzulande, mich eingeschlossen, über einen präsidialen iranischen „Maulhelden“ freuen. Ein Staatschef, der erst vor kurzem im Gespräch mit ZDF-Moderator Klaus Kleber als Holocaust-Leugner deutschen Fernsehzuschauern einen geradezu unterirdischen Einblick in seine unheimliche Gedankenwelt und beschränkte Weltsicht gewährte. Iranische Exil-Autoren wie der in München lebende SAID könnten über die “Kunstfreiheit” und das “Recht der freien Meinungsäußerung” im Iran ein Lied singen und ihr Leid darüber klagen. Aber alle diese Ansichten sind, zumindest unter den meisten Intellektuellen hierzulande, selbstverständliche Erkenntnisse, die zur weiteren politischen Erhellung oder gar Aufklärung alles andere benötigen als den literarischen Schnellschuss eines Autors, der sich offensichtlich mit Gewalt zurück ins öffentliche Bewusstsein boxen wollte und sein Forum dafür fand.
Und abschließend gesagt, wenn Grass „30-, 35- und 40-jährigen Journalisten”, die das Glück hatten, „in einer langen Friedensperiode aufzuwachsen“ im heutigen SZ-Interview das Recht abspricht, „über einen Mann, der im Alter von 17-Jahren in die Waffen-SS gezogen wurde“ zu urteilen, dann sei ihm von mir als 50-Jährigen die Frage gestellt, wieso er dann solange über seine SS-Mitgliedschaft geschwiegen hat, sich nicht von Anfang an dazu bekannte, und sogar noch schlimmer, anderen eine solche – von ihm selbst offenbar verdrängte - Zugehörigkeit vorwarf (hat er schon einmal etwas von dem römischen Rechtsgrundsatz “venire cotra factum proprium” gehört?), und er sei auch daran erinnert, dass beispielsweise die jüngsten Mitglieder der Münchner Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ damals nicht viel älter waren als er. Sie haben allerdings für ihre aufrechte Haltung mit dem Leben bezahlt.
Nichts für ungut also, ich wünsche Ihnen ein friedliches Osterfest 2012,
wünsche (nicht nur) uns allen einen Friedensprozess im nahen Osten
und ein Nachdenken darüber, wie jeder von uns seinen kleinen praktischen Beitrag dazu leisten kann, denn wenn das die Debatte um das eitle „Kein-Gedicht“ angestossen hat, war sie nicht ganz umsonst …
Mit herzlichen Grüßen aus Weßling
und bis bald an dieser Stelle,
Ihr Anton G. Leitner